"Ich möchte nicht, dass Deutschland über eine eigenständige atomare Bewaffnung nachdenkt", sagte Merz dem am Mittwoch veröffentlichten Podcast "Machtwechsel". Er verwies dabei auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag und den Atomwaffensperrvertrag, in denen sich Deutschland zum Verzicht auf ein eigenes Atomwaffenprogramm verpflichtet hat.
Merz zeigte sich erneut offen für eine europäische Lösung zur nuklearen Abschreckung. "Wir haben atomwaffenfähige Flugzeuge in der Bundeswehr", sagte der Kanzler in dem "Machtwechsel"-Interview vor dem CDU-Parteitag. "Wir wären in der Lage, sie zu transportieren - amerikanische Atomwaffen. Jetzt, denktheoretisch wäre möglich, das auch für die britischen und für die französischen Atomwaffen gelten zu lassen."
Merz steht nach eigenen Angaben im Austausch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über einen atomaren Schutzschirm für Europa, wie er vergangene Woche auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte. Frankreich ist nach dem Austritt Großbritanniens die einzig verbliebene Atommacht innerhalb der EU.
Über eine Teilhabe am französischen Nuklearschirm sagte Merz im Podcast "Machtwechsel": "Ein solches Angebot der französischen Regierung kann man in diesen Zeiten nicht ungeprüft liegen lassen."
Die Diskussion um eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und anderen EU-Ländern bei der nuklearen Abschreckung gibt es schon länger. Die Rückkehr von Donald Trump als US-Präsident ins Weiße Haus und sein Gebaren gegenüber den Nato-Partnern nicht nur im Grönlandstreit hatten diese Debatte aber neu befeuert.
Deutschland hat keine eigenen Atomwaffen; im Rahmen der so genannten atomaren Teilhabe garantieren aber die USA mit ihren Atomwaffen die Sicherheit der übrigen 31 Nato-Mitgliedstaaten. Der Einsatz ist nur unter extremen Umständen und im Rahmen der Selbstverteidigung vorgesehen.