Mexiko-City, eine der größten Metropolen der Welt, erlebt ein dramatisches Absinken: Rund 24 Zentimeter pro Jahr verliert die Stadt an Höhe.
Besonders betroffen sind zentrale Orte wie der internationale Flughafen oder das berühmte Denkmal Ángel de la Independencia, wo die US-Weltraumorganisation NASA monatlich eine Absenkung von durchschnittlich zwei Zentimetern feststellte.
Die mexikanische Hauptstadt wurde auf einem ehemaligen Seebett errichtet und dehnt sich auf etwa 7.800 Quadratkilometer aus. Über Jahre hinweg wurde so viel Grundwasser aus dem Boden gepumpt, dass der Grundwasserspiegel massiv gesunken ist.
Viele historische Gebäude, darunter die Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert, sind deshalb sichtbar geneigt, und die 20-Millionen-Metropole leidet unter einer chronischen Wasserkrise.
Wie "l'essentiel" berichtet, sind laut Geophysiker Enrique Cabral von der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko innerhalb von weniger als 100 Jahren bereits zwölf Meter Höhenverlust gemessen worden. Das hat Folgen für wichtige Infrastruktureinrichtungen wie U-Bahn, Abwassersystem und Straßen.
Die aktuellen Schätzungen der NASA basieren auf Messungen des Satelliten Nisar, einer Kooperation mit der indischen Weltraumbehörde. Mit dieser Technologie lässt sich die Veränderung der Erdoberfläche in Echtzeit beobachten. „Man kann das ganze Ausmaß des Problems sehen“, sagt Nisar-Wissenschaftler Paul Rosen.
Das Forschungsteam hofft, künftig noch genauere Daten liefern zu können, etwa für einzelne Gebäude. Die Methode soll weltweit eingesetzt werden, um Naturgefahren wie Vulkanausbrüche oder die Auswirkungen des Klimawandels zu überwachen.
Für Mexiko-City bedeuten die neuen Daten, dass das Problem gezielter untersucht und die schlimmsten Folgen vielleicht abgemildert werden können.
Jahrzehntelang wurde das Thema von den Behörden weitgehend ignoriert, zuletzt aber mehr in Forschung investiert. „Um die Situation langfristig zu entschärfen, muss man sie zunächst einmal verstehen“, betont Geophysiker Cabral.