Der Sommer, wie wir ihn kannten, verschiebt sich immer mehr. Laut einer neuen kanadischen Studie dauert die warme Jahreszeit nicht nur immer länger, sondern kommt auch immer abrupter. Zwischen 1990 und 2023 hat sich die durchschnittliche Sommerdauer weltweit um rund sechs Tage pro Jahrzehnt verlängert - deutlich mehr als bisher angenommen.
Besonders auffällig ist die Entwicklung in großen Städten: In Sydney (Australien) dauert der Sommer mittlerweile rund 130 Tage - Anfang der 1990er waren es noch etwa 80. Auch in Toronto (Kanada) wächst die Sommerperiode deutlich, hier um rund acht Tage pro Jahrzehnt.
Die Forscher haben für ihre Studie den Sommer nicht nach dem Kalender definiert, sondern anhand der tatsächlichen Temperaturen. Entscheidend war, wann die Werte über dem früher üblichen Niveau der wärmsten Jahreszeit liegen. Grundlage dafür waren Klimadaten aus den Jahren 1961 bis 1990.
Die Folgen der Sommerverlängerung sind weitreichend: Landwirtschaft, Wasserversorgung, Gesundheitssysteme und Energieplanung geraten zunehmend unter Druck. Denn viele Abläufe basieren noch immer auf alten Annahmen über den Jahreszeiten-Rhythmus.
Auch die jahreszeitlichen Übergänge verändern sich: Der Wechsel vom Frühling zum Sommer erfolgt immer abrupter. Statt langsamer Erwärmung treten plötzlich Hitzewellen auf. Das bringt Ökosysteme durcheinander - etwa wenn Pflanzen früher blühen, aber Bestäuber noch fehlen.
Für die Forschung ist klar: Die bisherigen Modelle müssen überdacht werden. Denn nicht nur die Länge des Sommers verändert sich, sondern auch seine Intensität. Die angesammelte Wärme nimmt deutlich schneller zu als früher.
Betroffen sind vorwiegend Küstenregionen der Nordhalbkugel. Dort steigen sowohl die Dauer als auch die Hitze besonders stark an - mit Folgen für Millionen Menschen.