Streit um Betreuung

Mia hat das Down-Syndrom – sie bekommt keinen Hortplatz

Die sechsjährige Mia mit Down Syndrom bekommt in Enzersdorf (NÖ) keinen Hortplatz - ihre Mutter kämpft verzweifelt um Betreuung.
Niederösterreich Heute
20.03.2026, 08:59
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Die Situation bringt Adrijana Anusic an ihre Grenzen: Ihre Tochter Mia (6) besucht die Volksschule in Enzersdorf, doch einen Hortplatz bekommt sie nicht - obwohl sie ihn nur für rund eine halbe Stunde brauchen würde, die Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) berichten darüber.

"Ich arbeite täglich von 8 bis 12 Uhr. Der Unterricht endet um 11.45 Uhr, ich könnte meine Tochter um 12.20 Uhr vom Hort abholen. Trotzdem wird uns kein Platz gewährt", schildert die Mutter ihren Alltag. Eine Übergangslösung hat sie selbst organisiert: Die Schule beaufsichtigt Mia nun etwas länger, bis Anusic von ihrem Arbeitsplatz in Schwechat zurück ist.

Warum ihre Tochter nicht einfach im Hort auf der anderen Straßenseite bleiben kann, versteht sie nicht. "Mia ist recht gut entwickelt. In den Hort müsste sie jemand begleiten, aber die Stützkraft ist ohnehin bis 13 Uhr da", sagt sie den NÖN. Im September musste sie sogar unterschreiben, dass sie ihr Kind spätestens um 12.20 Uhr abholt.

Auch bei der Ferienbetreuung hagelt es Absagen. "Die Entscheidung trifft der Bürgermeister der Gemeinde. Für mich entsteht der Eindruck, dass die Ablehnung im Zusammenhang mit der Behinderung meiner Tochter steht", sagt Anusic. Sie hat inzwischen die Behindertenanwaltschaft eingeschaltet.

"Chance haben im Leben"

Besonders belastend: Ein Vorschlag des Bürgermeisters habe sie tief getroffen. Er habe gemeint, sie solle Mia in eine Sonderschule schicken. "Warum soll ich sie in die Sonderschule geben, wenn sie doch so gut entwickelt ist. Mein Kind soll eine Chance haben im Leben", so die Mutter zu den NÖN.

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Auch ein Gespräch im August sitzt tief: Dort sei sie gefragt worden, ob ihr bewusst sei, wie viel ihr Kind die Gemeinde koste – und warum sie ihren Job gewechselt habe. "Nach dem Gespräch war ich richtig traumatisiert", sagt die Mutter. "Für uns als Familie ist diese Situation sehr belastend, da ich aktuell nicht weiß, wie ich Beruf und Betreuung vereinbaren soll."

"Alle Kinder mit ins Boot holen"

Bürgermeister Werner Herbert (FPÖ) sieht die Lage anders: "Wir sind sehr bemüht, alle Kinder mit ins Boot zu holen und niemanden zurückzulassen. Wir haben 12 Stützkräfte und wir haben auch für Frau Anusic eine Sonderlösung geschaffen, damit es eine eigene Bedienstete für Mia gibt."

Ein Hortbesuch sei dennoch nicht möglich. Der Grund: Der Hort befindet sich in einem Container und ist nicht behindertengerecht. "Mia hat aber eine hochgradige Behinderung ausgewiesen", so Herbert in den NÖN. Zudem könne aus Kostengründen keine zusätzliche Stützkraft gestellt werden. Auch eine Ferienbetreuung sei daher nicht möglich - grundsätzlich für behinderte Kinder.

Für ihn wäre eine andere Lösung sinnvoll: "Es ist nachvollziehbar, dass Frau Anusic das Beste für ihr Kind will. Sie hätte in Fischamend eine Sonderschule, die alle Stückerln spielt. Dort hätte sie eine umfassende Betreuung für ihre Tochter, aber das will sie nicht. Sie will aber, dass alle anderen ihr bieten, was die Sonderschule bietet, und das geht eben nicht."

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.03.2026, 08:59
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