Microsoft macht beim Rennen um den Quantencomputer Druck. Auf seiner Entwicklerkonferenz Build in San Francisco hat der Konzern einen neuen Quantenchip namens Majorana 2 vorgestellt und zugleich eine neue KI-Plattform für wissenschaftliche Forschung präsentiert. Nach Angaben des Unternehmens hängen beide Projekte eng zusammen. Denn die neue Plattform mit sogenannten KI-Agenten soll dabei geholfen haben, technische Probleme zu lösen, die die Entwicklung leistungsfähiger Quantencomputer bisher gebremst haben.
Im Mittelpunkt steht der neue Quantenchip Majorana 2. Microsoft spricht von einem wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem skalierbaren Quantencomputer. Besonders hervor hebt das Unternehmen die Zuverlässigkeit der verbauten Quantenbits, auch Qubits genannt. Diese seien laut Microsoft um den Faktor 1.000 zuverlässiger als bei der vorherigen Generation. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Qubits liege nun bei 20 Sekunden, einzelne Exemplare hätten sogar bis zu einer Minute durchgehalten.
Mit den Ergebnissen zieht Microsoft auch seinen Zeitplan deutlich nach vorne. Der Konzern rechnet nun damit, bereits bis 2029 einen skalierbaren Quantencomputer zu entwickeln. Das wäre laut Microsoft nur halb so lange wie ursprünglich geplant. Das Unternehmen sieht sich damit auf einem deutlich schnelleren Kurs als noch vor wenigen Jahren. Eine entscheidende Rolle spielte nach Angaben des Konzerns die neue Plattform Microsoft Discovery. Dabei handelt es sich um ein System, das mehrere KI-Agenten zusammenarbeiten lässt.
Diese sollen Forschern helfen, wissenschaftliche Fragen schneller zu bearbeiten, Daten auszuwerten und neue Lösungswege vorzuschlagen. Microsoft beschreibt die Plattform als Werkzeug, das menschliche Fachleute unterstützt, aber nicht ersetzt. Die KI-Agenten arbeiten unter Anleitung von Forschern und sollen die Geschwindigkeit wissenschaftlicher Entwicklungen erhöhen. Nach Unternehmensangaben half Microsoft Discovery auch dabei, neue Materialien für den Quantenchip zu finden und zu testen.
Microsoft-Chef Satya Nadella stellte die Fortschritte auf der Build-Konferenz als Beispiel dafür dar, wie künstliche Intelligenz künftig wissenschaftliche Arbeit verändern könnte. Während KI bisher vor allem mit Chatbots, Texten oder Bildern in Verbindung gebracht wurde, sieht der Konzern großes Potenzial bei Forschung und Entwicklung. Die neue Discovery-Plattform soll deshalb nicht nur für die Quantenforschung eingesetzt werden, sondern auch in Bereichen wie Materialwissenschaften, Energie oder Biotechnologie genutzt werden können.
Der Weg zu einem praktisch nutzbaren Quantencomputer bleibt allerdings anspruchsvoll. Obwohl Microsoft von einem wichtigen Meilenstein spricht, gibt es in der Wissenschaft weiterhin Diskussionen über verschiedene technische Ansätze und darüber, wie schnell sich die Technologie tatsächlich zur Marktreife entwickeln lässt. Auch andere große Unternehmen investieren Milliardenbeträge in die Forschung. Neben Microsoft arbeiten unter anderem IBM, Google und Amazon an eigenen Quantenprojekten.
Für Microsoft ist die aktuelle Ankündigung dennoch ein wichtiges Signal. Der Konzern will zeigen, dass sich Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und Quantencomputern gegenseitig beschleunigen können. Ob der ehrgeizige Zeitplan bis 2029 tatsächlich eingehalten werden kann, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Im Wettlauf um die nächste Generation von Computern will Microsoft ganz vorne mitspielen.