US-Präsident Donald Trump setzt bei den anstehenden Kongresswahlen am 3. November auf bedingungslose Treue. Doch genau das könnte ihm zum Verhängnis werden. Denn unter den republikanischen Kandidaten finden sich Männer, die mit Verschwörungstheorien, extremen Aussagen und handfesten Skandalen für Aufsehen sorgen. Einige von ihnen liegen in Umfragen deutlich zurück.
Bei den sogenannten Midterms werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus, 35 Senatssitze und 36 Gouverneursposten neu vergeben. Für Trump steht dabei viel auf dem Spiel: Verliert seine Partei die Mehrheit im Kongress, könnte das seine politische Macht massiv einschränken.
Besonders brisant ist die Lage in Texas. Dort hat Trump den umstrittenen Ken Paxton als Senatskandidaten unterstützt und damit dem langjährigen Senator John Cornyn eine erneute Kandidatur verbaut.
Dabei machte sich der Präsident bei einem Parteitag in Dallas sogar über seinen eigenen Favoriten lustig. Weder dessen Kleidung noch seine Art zu sprechen oder sein Aussehen würden ihm gefallen, erklärte Trump vor lachendem Publikum. Entscheidend sei aber, dass Paxton gewinne.
Ob das gelingt, ist fraglich. Paxton war in mehrere Skandale verwickelt. 2023 musste er sich einem Amtsenthebungsverfahren wegen mutmaßlichen Amtsmissbrauchs stellen, wurde vom texanischen Senat allerdings freigesprochen. Ein jahrelanges Verfahren wegen Wertpapierbetrugs endete 2024 mit einer Vereinbarung zur Rückzahlung von 271.000 Dollar an geschädigte Anleger.
In den Umfragen liegt Paxton derzeit knapp drei Prozentpunkte hinter dem Demokraten James Talarico. Für die Republikaner könnte damit sogar ihre Hochburg Texas in Gefahr geraten.
Noch heftiger fällt die Kritik an Brandon Herrera aus. Der 4,27 Millionen Abonnenten starke Waffen-YouTuber kandidiert in Texas für das US-Repräsentantenhaus.
Herrera sorgte in der Vergangenheit mit Videos über den Nationalsozialismus und Holocaust-Witzen für Empörung. Er prahlte mit einer Ausgabe von Adolf Hitlers "Mein Kampf", sang zu Liedern aus der NS-Zeit und stellte in einem Video die Ermordung des Bürgerrechtlers Martin Luther King nach.
Der 40-Jährige bezeichnet solche Inhalte als schwarzen Humor. Trump unterstützt ihn dennoch und nennt ihn einen "America-First-Patrioten".
Herreras Chancen gelten als durchaus gut. In einer Ende September veröffentlichten Umfrage lag er allerdings nur zwei Prozentpunkte vor seiner demokratischen Konkurrentin Katy Padilla Stout.
Auch in Georgia könnte Trumps Personalentscheidung nach hinten losgehen. Dort tritt Mike Collins für einen Sitz im US-Senat an.
Der 59-Jährige hatte nach dem Attentat auf Trump im Juli 2024 behauptet, der damalige Präsident Joe Biden habe die Tat angeordnet. Belege dafür gibt es nicht.
Trump bezeichnet Collins trotzdem als engen Freund und Kämpfer. Die Wähler scheinen allerdings weniger überzeugt zu sein: In den Umfragen liegt der Republikaner rund neun Prozentpunkte hinter dem demokratischen Senator Jon Ossoff.
In Ohio will der Unternehmer Vivek Ramaswamy Gouverneur werden. Der 41-jährige Multimillionär verbreitete in der Vergangenheit unter anderem unbelegte Behauptungen zur US-Präsidentschaftswahl 2020 und zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001.
Außerdem griff er die Verschwörungserzählung vom angeblichen "Großen Austausch" der weißen Bevölkerung auf.
Trump lobt Ramaswamy dennoch überschwänglich. In einer Umfrage von Anfang Oktober lag der Republikaner nur drei Prozentpunkte hinter seiner demokratischen Konkurrentin Amy Acton. Das Rennen könnte knapp werden.
Deutlich schlechter sieht es für Andy Biggs in Arizona aus. Der 67-jährige Republikaner will dort Gouverneur werden.
Während der Coronapandemie hatte Biggs gegen Masken und Lockdowns gewettert. Er empfahl zudem das Malariamittel Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19, obwohl dessen Wirksamkeit nicht belegt ist.
Auch die widerlegte Behauptung, Trump sei 2020 um seinen Wahlsieg betrogen worden, verbreitete Biggs. Nun liegt er in Umfragen mehr als zehn Prozentpunkte hinter der amtierenden demokratischen Gouverneurin Katie Hobbs.
Für besondere Brisanz sorgt auch Alexander Kolodin. Der Republikaner will in Arizona zum sogenannten Secretary of State gewählt werden und wäre damit unter anderem für die Organisation von Wahlen verantwortlich.
Ausgerechnet Kolodin hatte nach Trumps Niederlage 2020 ohne belastbare Beweise massiven Wahlbetrug behauptet und gemeinsam mit anderen Republikanern geklagt. Das Gericht wies die Klage ab. Gegen den damaligen Anwalt wurde eine berufsrechtliche Sanktion mit 18-monatiger Bewährungsauflage verhängt.
In einer nicht repräsentativen Umfrage vom August lag Kolodin sechs Prozentpunkte hinter dem demokratischen Amtsinhaber Adrian Fontes.
Während mehrere Trump-Kandidaten um ihren Wahlsieg bangen müssen, dürfte Randy Fine in Florida vergleichsweise leichtes Spiel im Kampf um einen Sitz im Repräsentantenhaus haben.
Der 52-Jährige bezeichnet sich selbst als "Hebrew Hammer" ("Hebräischer Hammer") und fällt immer wieder mit radikalen Äußerungen über Muslime auf. Er forderte unter anderem, Menschen im Gazastreifen auszuhungern und muslimische Einwanderer aus den USA abzuschieben.
Trump hält dennoch zu Fine und bezeichnet ihn als "MAGA-Krieger". Sein Wahlbezirk gilt als republikanische Hochburg.
Die entscheidende Frage vor dem 3. November lautet damit: Schadet Trump seiner eigenen Partei, weil er persönliche Loyalität über die Wahlchancen seiner Kandidaten stellt?
Besonders in umkämpften Bundesstaaten könnte sich diese Strategie rächen. Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit im Senat oder Repräsentantenhaus, wären Trumps politische Vorhaben deutlich schwerer durchzusetzen.
Ausgerechnet seine treuesten Anhänger könnten dem US-Präsidenten damit die größte Niederlage des Wahlabends bescheren.