Verzweifelte Bewohner einer Genossenschafts-Wohnanlage in Wöllersdorf (NÖ) verstehen die Welt nicht mehr. Seit seinem Einzug 2022 sind die Wohnkosten regelrecht explodiert – "innerhalb von zwei Jahren gab es sieben Mieterhöhungen", klagen Betroffene in "Heute". Statt 700 Euro zahlt ein Niederösterreicher bereits rund 1.120 Euro kalt.
Und das, obwohl die Lage alles andere als prickelnd ist. "Es gibt hier absolut nichts, nur Pampa." Der nächste Supermarkt ist 15 Minuten zu Fuß entfernt, es gibt nur die Autobahn und einen Bus, der zum Weg in die Arbeit nicht zu gebrauchen ist. "Uns war klar, worauf wir uns einlassen – dafür hat damals der Preis gepasst", so mehrere Mieter. Die günstig gebaute Wohnhausanlage der Genossenschaft SGN im Ortsteil Feuerwerksanstalt lockte mit geringer Miete für geräumige Drei-Zimmer-Wohnungen, teilweise mit Balkon.
Doch bereits im Frühsommer 2023 kam der erste Schock: Der Mietzins wurde um 400 Euro erhöht, nach Protesten wurde "nur" um rund 150 Euro erhöht. Doch sechs weitere Erhöhungen sollten folgen, darunter drei in den vergangenen sieben Wochen.
"Die Situation hier ist unberechenbar geworden. Man weiß nicht, ob man nächsten Monat die Erhöhung im Postkasten vorfindet", so die Betroffenen. Einige Nachbarn seien daher bereits verzweifelt ausgezogen.
"Wir kämpfen selber mit dem Thema und verstehen den Ärger der Mieter. Aber unser Spielraum ist begrenzt", verweist der SGN-Vorstand Martin Weber auf das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz aus dem Jahr 1979. Demnach muss jede Zinsänderung unmittelbar bei der "nächstfolgenden Entgeltsvorschreibung" weitergegeben werden.
Dennoch habe man Abschläge gemacht, um die leidgeplagten Mieter zumindest ein bisschen zu entlasten. "Mit einem Fixzins läge der Preis vermutlich noch höher", weiß der Funktionär. Nur starke Zinssenkungen würden wirklich helfen. So ganz sozial scheint dieses soziale Wohnbauprojekt somit nicht zu sein.