Qualitätsjournalismus sichern und Arbeitsplätze erhalten: Mit neuen Förderungen will die Stadt Wien den Medienstandort stärken. Für den Zeitraum von 2026 bis 2029 stehen insgesamt rund sechs Millionen Euro zur Verfügung. Neben neuen Fördermodellen soll mit dem Vienna Media Hub auch ein zentraler Treffpunkt für die Branche entstehen.
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sieht darin einen wichtigen Beitrag für Demokratie und Medienvielfalt: "Eine lebendige und vielfältige Medienlandschaft ist das wirksamste Mittel gegen Desinformation. Unabhängige und qualitätsgeprüfte Informationen sind wichtiger denn je."
Die Medienbranche stehe vor großen Herausforderungen. Sinkende Werbeeinnahmen, die starke Stellung globaler Plattformen und der rasche technologische Wandel würden neue Lösungen erforderlich machen. Ludwig betont: "Mit der Weiterentwicklung der Wiener Medieninitiative setzen wir noch gezieltere Anreize, um Innovation und Transformation in der Branche voranzutreiben."
Die Wiener Medieninitiative basiert künftig auf vier Säulen, bisher gab es zwei. Neben den etablierten Förderschienen für Gründungen ("Medienstart") und bestehenden Medienunternehmen ("Medienprojekt") gibt es künftig eine neu entwickelte Transformationsförderung ("Medienkooperation") und einen eigenen Innovationshub ("Vienna Media Hub").
Mit der Schiene "Medienkooperation" können erstmals größere gemeinsame Transformationsprojekte unterstützt werden. In einer ersten Phase werden Konzepte mit 25.000 Euro gefördert. Für die Umsetzung sind Förderungen von bis zu 500.000 Euro pro Projekt möglich. Erstmals können dabei auch internationale Partner eingebunden werden.
Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak erklärt: "Wir wollen nicht nur gute Medienideen fördern, sondern Medienunternehmen dabei unterstützen, langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu sein." Künftig werde die finanzielle Förderung durch Qualifizierungsangebote, technische Infrastruktur und neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ergänzt.
Das Programm "Medienstart" unterstützt Mediengründungen mit bis zu 10.000 Euro und begleitet Gründer bis zur Unternehmensgründung. Die bestehende Förderung "Medienprojekt" wird auf bis zu 150.000 Euro pro Vorhaben erhöht.
Ab Ende 2027 soll außerdem der Vienna Media Hub starten. Dort sollen Start-ups, Gründer und etablierte Medienhäuser gemeinsam arbeiten, Wissen austauschen und neue Produkte entwickeln. Geförderte Jungunternehmen erhalten Zugang zu Arbeitsplätzen und gemeinsamer technischer Infrastruktur.
NEOS-Mediensprecherin Maria In der Maur-Koenne bezeichnet die Initiative als wichtigen Impuls für den Standort Wien. "Unser Fokus liegt auf journalistischer Vielfalt - und auf transparente Standards, die die Unabhängigkeit der Medien sichern."
Die Wiener Medieninitiative wurde 2019 gegründet und wird von der Wirtschaftsagentur Wien umgesetzt. Seitdem wurden laut Stadt mehr als 330 Projekte mit rund elf Millionen Euro unterstützt. Dadurch seien Investitionen von über 26 Millionen Euro ausgelöst worden.
Zu den bekanntesten Projekten, die bereits von der Wiener Medieninitiative unterstützt wurden, zählen das Faktencheck-Medium "Bait", die Wiener Lokalzeitung "DerAchte" und das APA-Projekt "Zukunftsbild: capturing the future". Auch der profil-Wirtschaftspodcast "Business Klasse", der sich gezielt an junge Menschen richtet, erhielt eine Förderung.
Laut Stadt Wien sollen die Projekte journalistische Vielfalt fördern und neue Wege in der Berichterstattung aufzeigen. Seit dem Start der Initiative wurden mehr als 330 Projekte unterstützt.
Die zusätzlichen Förderungen kommen in einer schwierigen Phase für die Medienbranche. Laut dem "Journalisten-Report" des Medienhauses Wien ist die Zahl hauptberuflicher Journalisten in Österreich seit Jahren rückläufig. Waren 2007 noch rund 7.100 Journalisten tätig, wurden bei der letzten großen Erhebung 2018/19 nur noch 5.350 gezählt. Branchenexperten gehen inzwischen von weniger als 5.000 Beschäftigten aus.
Auch die Arbeitslosigkeit steigt. Nach Daten des AMS waren Ende 2025 insgesamt 1.022 Journalisten, Autoren und Social-Media-Manager arbeitslos oder in Schulungen. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 956 Personen. Wien ist dabei besonders betroffen: Mehr als die Hälfte der österreichischen Medienwirtschaft und der journalistischen Arbeitsplätze konzentriert sich auf die Bundeshauptstadt.