Die Wiener Festwochen feiern heuer ihr 75-jähriges Jubiläum – und sorgen schon vor Beginn für heftige Diskussionen. Grund dafür ist die geplante Einladung des umstrittenen US-Tech-Milliardärs Peter Thiel. Festwochen-Chefdramaturgin Sara Abbasi verteidigt den möglichen Auftritt jetzt öffentlich: Man wolle Thiel nicht feiern, sondern kritisch mit ihm diskutieren.
Im Interview mit "Wien heute" erklärte Abbasi: "Wir machen kein Programm, das unbedingt polarisieren will." Man sehe die Aufgabe des politischen Festivals aber darin, "den Finger in die Wunde zu legen". Dabei scheue man auch nicht den einen oder anderen Skandal, um gesellschaftliche Debatten anzustoßen. Schon früh habe das Festival begonnen, "Tabus zu brechen" und Konventionen infrage zu stellen. Als Beispiel wurde im Interview auch Christoph Schlingensiefs berüchtigter "Ausländer-Container" aus dem Jahr 2000 genannt, der damals österreichweit für Empörung sorgte.
Auch die Einladung an Peter Thiel passe genau in dieses Konzept. Der milliardenschwere Unternehmer und politische Strippenzieher sei zu einflussreich, um ihn einfach zu ignorieren. Man wolle ihm hier keine One-Man-Show bieten, betonte Abbasi. Geplant sei stattdessen ein öffentliches Gespräch über Macht, Politik und gesellschaftlichen Einfluss. Geld wolle man Thiel dafür übrigens keines zahlen.
Unter dem Motto "Republic of God" dreht sich heuer vieles um Religion, gesellschaftliche Krisen und politische Radikalisierung. Eingeladen sind unter anderem Aktivistinnen und Aktivisten der Letzten Generation sowie Autorinnen und Autoren, die sich mit Extremismus und gesellschaftlicher Spaltung beschäftigen.
Für Aufsehen sorgt auch wieder Performancekünstlerin Florentina Holzinger. Ihre Arbeiten würden oft auf Blut und Nacktheit reduziert, meinte Abbasi – dabei stecke in ihren Produktionen auch viel Poesie und Emotionalität. Klar ist: Langweilig werden die Wiener Festwochen auch zum 75er garantiert nicht.