"Lächerliche Dubai-Propaganda"

Mitten im Krieg: Influencer posen mit Kindern am Strand

Mitten im Krieg beschwören einige Influencer plötzlich in Videos, wie "sicher" sie sich in Dubai fühlen. Fans kritisieren die "Propaganda"-Show.
Nick Wolfinger
02.03.2026, 15:07
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Über diese Fotos schütteln gerade viele den Kopf. Inmitten von Krieg, Raketenalarm und Drohnen-Terror posieren Influencer demonstrativ am Strand von Dubai, um "Sicherheit" zu demonstrieren.

"Gerade werden hier in Dubai Raketen abgefangen. Trotzdem fühlen wir uns sicher", schrieb nun die ausgewanderte deutsche Mode-Influencerin Stefania Guarnieri auf Instagram zu einem Foto, das sie mit ihrem Mann und drei Kindern am Strand von Dubai zeigt (links im Titelbild).

Alle 2-3 Stunden schlagen Raketen ein

In ihrer Story beschreibt sie die aktuelle Lage: "Hier schlagen aktuell immer wieder ich würde sagen alle 2-3 Stunden Raketen ein, die aber abgewehrt werden". Dennoch behauptet sie: "Wir leben hier in den UAE in einem der sichersten und modernsten Ländern der Welt und genau dafür bin ich gerade unglaublich dankbar."

Die Erschütterungen von Raketeneinschlägen zu spüren beschreibt sie als "komisches Gefühl". Das sei "nichts was schön ist, vor allem nicht mit Kindern". Aber: "Wir vertrauen dem Land (…) Wir fühlen uns sicher". Dabei waren die Emirate nach Angaben des Militärs innerhalb von 24 Stunden Ziel von 165 ballistischen Raketen, zwei Marschflugkörpern und 541 Drohnen. Mehr als jedes andere Land in der Region, abgesehen von Israel.

Fans sind fassungslos

Wie man angesichts dieser Umstände auf die Idee kommt, mit den Kindern an den Strand zu gehen, lässt aber viele ratlos zurück. "Ich sitze mit meinen Kids auch fröhlich am Strand und genieße das Wetter, wenn über mir die Raketen, Bomben, Drohnen abgefangen werden", zitiert "20 Minuten" aus einem Kommentar. "Immer diese Werbe-Filmchen, so lächerlich", meint ein anderer.

"Lächerliche Dubai-Propaganda"

Noch kurioser finden viele ein Posting des deutschen Reality-Stars Georgina Fleur. Sie postete auf Instagram ein Reel von sich, in dem sie die Frage einblendet: "Hast du keine Angst? Du lebst doch in Dubai!". Danach kommen Bilder von Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum und anderen Mitgliedern des Herrscherhauses der Vereinigten Arabischen Emirate, unterlegt mit heroischer, arabischer Musik.

Spätestens jetzt kommt einigen ein übler Verdacht: "Bekommt ihr diese Videos vom Staat gestellt!? Die interessieren sich einen Scheiss für euch!", zitiert "20 Minuten" aus einem der Kommentare. Ein anderer schreibt: "Man merkt, wie lächerlich diese Dubai-Propaganda bei euch Influencern abläuft! Das ist ja schlimmer, als ich dachte".

Gerüchte verboten

Tatsächlich müssen sich Influencer, die in die Vereinigten Arabischen Emirate (also Dubai, Abu Dhabi) auswandern, verpflichten, keine "Gerüchte, die den sozialen Frieden stören" zu verbreiten.

Die VAE haben 2025 ein neues Mediengesetz mit scharfen Vorgaben für Medien und Content Creator eingeführt. Danach müssen alle Inhalte – auch auf Social Media – bestimmte Standards erfüllen. Dazu gehört, dass Inhalte nicht gegen öffentlichen Frieden, Staatsinteressen, Moral oder Sicherheit verstoßen dürfen. Verstöße können sehr hohe Strafen nach sich ziehen. Eine kaum verhohlene Zensurvorgabe, keine Kritik an dem Land zu üben.

Manche lässt es scheinbar kalt

Manche Leute scheint aber tatsächlich nichts so schnell aus der Bahn zu werfen. Für Kopfschütteln sorgte zuletzt ein Video von zwei Wienern, die den Raketenangriff auf Dubai aus einem Hotelpool mitverfolgten und, wohl überwältigt von der ungewohnten Situation, mit "Haha" und "Wooohooo" scheinbar abfeierten.

Emirate Ziel zahlreicher Vergeltungsschläge

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Städten wie Dubai und Abu Dhabi zählen zu jenen Orten im Nahen Osten, die seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran besonders viele Vergeltungsschläge erhalten haben. Das Land ist einer der wenigen Verbündeten Israels in der Region, hat den jüdischen Staat 2020 offiziell anerkannt. Das macht die Emirate zu einer großen Zielscheibe für das iranische Regime.

Viele Influencer haben in den letzten zwei Tagen Videos und Story gepostet, in denen sie schildern, sich in Sicherheit gebracht zu haben oder sogar Todesangst erlitten zu haben. So auch der Wiener Rapper RAF Camora, der eigentlich nur ein paar Tage dem grauen Wien entfliehen wollte.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 02.03.2026, 15:07
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