Stell dir vor, es ist ein glühend heißer Sommertag in New York oder Chicago. Du sitzt nicht auf deiner Couch, sondern stehst auf dem heiligen Rasen eines vollbesetzten Stadions. Die Luft flirrt vor Hitze, der Geruch von frisch gemähtem Gras und teuren Hotdogs steigt dir in die Nase, und zehntausende Menschen brüllen im Chor deinen Namen. Du spürst, wie der Schweiß unter deinem Cap hervorrinnt, während du den Holzschläger so fest umschließt, dass deine Knöchel weiß anlaufen. Genau dieses unbeschreibliche Gefühl, dieses Prickeln in den Fingerspitzen, will dir "MLB The Show 26" in diesem Jahr auf Konsolen zaubern. Und ich kann dir nach vielen Stunden vor der PlayStation 5 sagen: Das ist Amerikas traditioneller Nationalsport in Bestform.
Viele Leute behaupten ja immer, Baseball sei langweilig, weil man so viel warten muss. Aber wer das sagt, der hat "MLB The Show 26" noch nicht gespielt. Die Entwickler haben es geschafft, die Spannung einer ganzen Sportart in kleine, hochkonzentrierte Momente zu packen. Es geht hier nicht nur um Zahlen und Tabellen, sondern um echte Emotionen. Wenn du zum ersten Mal das Spiel startest, merkst du sofort, dass sich etwas verändert hat. Die Präsentation wirkt wuchtiger, fast schon wie ein Hollywood-Blockbuster, der dich direkt in die Action wirft. Man hat das Gefühl, die Macher wollten dieses Jahr beweisen, dass sie nicht nur die Regeln beherrschen, sondern auch die Seele dieses Sports verstehen.
Reden wir mal über das, was auf dem Platz passiert, denn da hat sich am meisten getan. Es gibt diese neue Sache, die sich Bear Down Pitching nennt. Du musst dir das so vorstellen: Jeder Werfer hat eine begrenzte Menge an mentaler Energie. In den Momenten, in denen es wirklich ums Eingemachte geht – sagen wir, die Bases sind voll und du hast schon zwei Aus – kannst du diesen Fokus aktivieren. Plötzlich wird alles um dich herum ein bisschen langsamer, dein Puls schlägt im Takt des Controllers, und dein Wurf wird präziser und schneller. Es ist, als würde man einem Profi direkt ins Gehirn schauen und diesen einen Moment der absoluten Konzentration miterleben. Das macht die Duelle zwischen Werfer und Schläger persönlicher.
Du spielst nicht gegen eine Maschine, du spielst gegen die Nerven deines Gegenübers. Auf der anderen Seite des Balls, also beim Schlagen, gibt es jetzt das sogenannte Big Zone Hitting. Das ist ein Segen für alle, die nach der Arbeit einfach nur eine gute Zeit haben wollen, ohne vorher ein dreijähriges Studium der Flugbahnanalyse abgeschlossen zu haben. Die Zone, in der du den Ball treffen kannst, ist ein Stück größer geworden. Das bedeutet aber nicht, dass das Spiel jetzt kinderleicht ist. Wer einen Homerun über den Zaun jagen will, muss immer noch das perfekte Timing haben, da ist der Titel ganz Simulation und keinesfalls Arcade. Aber es gibt weniger von diesen frustrierenden Momenten, in denen man den Ball nur ganz knapp verfehlt.
Man hat mehr Erfolgserlebnisse, und das ist genau das, was wir am Feierabend brauchen. Ein satter Knall, wenn das Holz den Ball trifft, und dann zuzusehen, wie das Leder in den Abendhimmel segelt – das ist pure Befriedigung. Besonders beeindruckend ist, wie sich die Spieler auf dem Feld bewegen. Die Verteidigung wurde komplett umgekrempelt. Früher war es oft so, dass ein Spieler einfach gut oder schlecht war. Jetzt haben sie die Beweglichkeit in vier Richtungen aufgeteilt. Ein Feldspieler kann also ein echter Sprinter sein, wenn er nach vorne rennt, um einen flachen Ball abzufangen, aber vielleicht wirkt er ein bisschen hüftsteif, wenn er sich umdrehen und einem weiten Ball hinterherlaufen muss. Das sorgt für mehr Realismus.
Sogar die Catcher haben eine neue Eigenschaft namens Pop Time. Da geht es darum, wie schnell sie den Ball aus dem Handschuh kriegen und zur Base pfeffern, um einen Läufer ins Aus zu schicken. Wenn du da einen Profi hast, der das beherrscht, überlegt sich der Gegner zweimal, ob er losrennt. Ein Herzstück für alle Langzeit-Spieler ist indes der Franchise-Modus. Hier bist du der Boss, der Manager, der Gott im Anzug. In "MLB The Show 26" gibt es jetzt das Trade Hub. Das ist quasi dein digitales Büro für alle Spielertransfers. Und die Computer-Gegner sind dieses Jahr verdammt gerissen. Sie lassen sich nicht mehr so einfach über den Tisch ziehen, wenn du versuchst, einen alternden Star gegen drei junge Talente zu tauschen
Die Teams analysieren jetzt genau, in welcher Phase sie stecken. Wollen sie dieses Jahr den Titel oder bauen sie für die Zukunft auf? Manchmal fordern sie Bedenkzeit an, und du sitzt vor dem Fernseher und hoffst, dass dein Telefon klingelt. Es kann sogar passieren, dass ein dritter Verein dazwischengrätscht und dir dein mühsam ausgehandeltes Geschäft in letzter Sekunde versaut. Dass man jetzt bis zu acht Spieler in einen Deal packen kann, macht die ganze Sache so komplex wie einen echten Polit-Krimi. Für die Romantiker unter uns gibt es den "Road to the Show"-Modus. Das ist deine ganz persönliche Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär – oder eben vom Schulhof-Helden zum Weltstar im Baseball-Stadion.
Dieses Jahr fängt das Abenteuer viel früher an. Du stehst nicht plötzlich im Rampenlicht, sondern musst dich erst einmal in der High School beweisen. Das ist emotional gemacht. Du spürst den Druck, wenn Scouts am Spielfeldrand stehen und sich Notizen machen. Danach geht es aufs College, und da haben die Entwickler wirklich beeindruckende Arbeit geleistet. Es gibt 19 verschiedene Colleges, fast ein Dutzend davon sind komplett neu. Du spielst die echte College World Series in Omaha. Und alles ist originalgetreu nachgebaut, von den Logos bis zur Stimmung auf den Rängen. Das ist nicht einfach nur ein Vorspiel, das ist ein richtiges Erlebnis, das dich auf die harte Welt der Profis vorbereitet.
Was mich persönlich total gepackt hat, sind die sogenannten Big Moments. Das Spiel merkt, wenn du gerade dabei bist, etwas Historisches zu leisten. Wenn dein Spieler kurz davor steht, einen uralten Rekord zu brechen, dann hält das Spiel quasi kurz die Luft an. Die Simulation wird unterbrochen, die Kamera fängt die nervösen Gesichter der Zuschauer ein, und du wirst direkt in das Geschehen geworfen. Du musst den entscheidenden Moment selbst spielen. Das sorgt für Gänsehaut-Momente, die man so schnell nicht vergisst. Es fühlt sich einfach verdammt toll an, was du da tust. Technisch holt "MLB The Show 26" auf der PlayStation 5 viel, aber nicht alles raus, was die Kiste hergibt. Top: Auflösung in 4K bei flüssigen 60 Bildern pro Sekunde.
Weniger gut: Der Rasen und das Spielfeld können nicht ganz mit einem Next-Gen-Eindruck mithalten. Aber es sind die kleinen Dinge, die dann dennoch auffallen und sich verbessert haben. Hast du schon mal gesehen, wie sich ein Trikot im Wind bewegt? In diesem Spiel gibt es eine neue Stoff-Physik. Wenn ein Spieler zum Sprint ansetzt, sieht man, wie das Trikot Falten wirft oder sich an den Körper schmiegt. Über 500 neue Animationen sorgen dafür, dass sich kein Spielzug wie der andere anfühlt. Wenn ein Spieler nach einem Hecht-Sprung im Dreck landet, sieht man danach die Flecken auf der Hose – und die bleiben dort das ganze Spiel über. Das ist dieser Detailgrad, den man einfach lieben muss. Wenn es nur überall so wäre.
Auch der "Diamond Dynasty"-Modus, in dem man sich sein eigenes Traumteam aus Sammelkarten zusammenstellt, hat ein fettes Upgrade bekommen. Es gibt jetzt die "Red Diamond"-Karten. Das sind die seltensten und stärksten Karten, die es je in der "MLB The Show"-Serie gab. Wer so eine in seinem Team hat, ist der König auf dem Platz. Aber man kriegt sie nicht geschenkt. Man muss sich diese Legenden hart erarbeiten, was den Sammlertrieb natürlich extrem anheizt. Es ist ein bisschen wie das Panini-Album von früher, nur dass die Bilder lebendig werden und für dich auf den Platz gehen. Wenn man das alles zusammennimmt, dann ist "MLB The Show 26" eine fast perfekte Sport-Simulation.
So gut sich vieles anfühlt, so deutlich wird aber auch: Ganz große Neuerungen fehlen. "MLB The Show 26" baut stark auf dem Vorgänger auf, verbessert viele Details, führt aber ganz wenig richtig Neues ein. Gerade für Spieler, die jedes Jahr zugreifen, kann das enttäuschend sein. Man bekommt ein solides Update, aber keine Revolution. Das ist ein Problem, das viele Sportspiele haben – und "MLB The Show 26" ist da keine Ausnahme. Dennoch: "MLB The Show 26" ist ein extrem starkes Sportspiel. Es macht vieles richtig, bietet viel Inhalt, fühlt sich gut an. Für Fans und Neueinsteiger ist es ein Muss, für Serienkenner eine solide Fortsetzung, die die Stärken der Serie noch weiter ausbaut.