Abschied vom Bargeld?

Digital-Euro rückt näher, Österreich hält an Cash fest

Bargeld verliert in Europa an Boden. Doch gerade in Österreich hält sich das Vertrauen in Scheine und Münzen überraschend stark.
Rene Findenig
17.03.2026, 20:59
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Während in Europa immer öfter mit Karte oder Smartphone gezahlt wird, hält Österreich eisern am Bargeld fest. Das zeigt eine neue Zahlungsverkehrsstudie von BearingPoint. In den vergangenen drei Jahren ist die Nutzung von Bargeld demnach europaweit kontinuierlich zurückgegangen. Doch Österreich bleibt gemeinsam mit Deutschland eine echte Ausnahme. Hierzulande greifen noch immer 71 Prozent regelmäßig zu Scheinen und Münzen. In Deutschland sind es sogar 73 Prozent.

Damit liegen beide Länder deutlich vor dem Rest Europas. Besonders oft zahlen ältere Menschen bar. In Österreich nutzen 84 Prozent der über 55-Jährigen regelmäßig Bargeld. Doch auch bei den Jungen überrascht die Studie. Selbst in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren zahlen noch 57 Prozent häufig bar. Ganz anders sieht es im Norden Europas aus. In Schweden liegt die Bargeldnutzung nur noch bei 25 Prozent, in Dänemark bei 32 Prozent und in Finnland bei 42 Prozent. Dort ist das digitale Bezahlen längst Alltag.

Abschied vom Bargeld? Kaum vorstellbar

Wer jetzt glaubt, das Bargeld verschwindet bald komplett, irrt. Gerade in Österreich und Deutschland ist die Bindung an Cash besonders stark. 68 Prozent der Befragten in Österreich sagen klar: In den nächsten zehn Jahren können sie sich nicht vorstellen, ganz auf Bargeld zu verzichten. In Deutschland sehen das 64 Prozent genauso. Selbst in den digital fortgeschrittenen Ländern wie Schweden oder Dänemark hält etwa jede zweite Person am Bargeld fest oder kann sich zumindest keinen vollständigen Abschied vorstellen.

Die Entwicklung ist also eindeutig – aber der Wandel geht langsamer, als viele erwarten. Der Digitale Euro ist indes vielen Menschen inzwischen ein Begriff. Doch die Begeisterung hält sich noch in Grenzen. Im Schnitt würde etwa jeder Dritte den Digitalen Euro nutzen. Gleichzeitig ist die größte Gruppe mit 42 Prozent noch unentschlossen. In Österreich liegt das Interesse mit rund 40 Prozent vergleichsweise hoch. In den Niederlanden dagegen würden weniger als 27 Prozent den Digitalen Euro nutzen.

Online-Shopping treibt den Digital-Euro

Auch im Norden Europas ist die Skepsis größer. In Dänemark liegt der Wert bei 21 Prozent, in Schweden bei 22 Prozent. Christian Bruck, Experte für das Thema Zahlungsverkehr bei BearingPoint, erklärt, dass die Entwicklung durchaus überraschend sei. "In Europa sinkt die Bargeldnutzung, in den traditionellen Bargeldländern Deutschland und Österreich verbleibt sie interessanterweise aber auf einem hohen Niveau." Besonders auffällig sei, dass selbst junge Menschen weiterhin häufig Bargeld nutzen.

Wenn der Digitale Euro kommt, dann vor allem fürs Einkaufen im Internet. 37 Prozent der Befragten würden ihn dafür nutzen. Damit bleibt Online-Shopping der wichtigste Einsatzbereich. In Irland ist die Zustimmung mit 44 Prozent am höchsten, gefolgt von Finnland mit 40 Prozent. Auch im Geschäft könnte der Digitale Euro eine Rolle spielen. 28 Prozent der Befragten können sich vorstellen, damit im Laden zu bezahlen. Damit wird klar: Die digitale Variante des Geldes soll das Bargeld eher ergänzen als ersetzen.

Kostenlos muss es sein

Ein Punkt ist den Menschen besonders wichtig: Zahlen mit dem Digitalen Euro darf nichts kosten. 41 Prozent nennen die kostenlose Nutzung als entscheidendes Kriterium. Dahinter folgt die Erwartung, dass der Digitale Euro überall und rund um die Uhr akzeptiert wird – das sagen 35 Prozent. Überraschend: Eine besonders gute Nutzererfahrung ist nur für knapp jeden Fünften entscheidend. Es geht also weniger um Spielereien, sondern um einfache, sichere und günstige Nutzung.

Wenn es um sensible Daten geht, ist das Vertrauen verteilt. Die Hausbank liegt mit 41 Prozent vorne, gilt als sicherster Ort für Transaktionsdaten beim Digitalen Euro. Tech-Konzerne wie Apple oder Google genießen kaum Vertrauen. Nur 4 Prozent würden ihnen Zahlungsdaten anvertrauen. Robert Bosch, Globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint: "Ein wesentliches Argument für den Digitalen Euro ist auch, eine Alternative zu nicht-europäischen Zahlverfahren zu schaffen und so eine stärkere europäische Unabhängigkeit zu erreichen."

Europa sucht seinen eigenen Weg

Die Studie zeigt klar: Europa steht beim Bezahlen an einem Wendepunkt. Bargeld verliert langsam an Bedeutung, bleibt aber tief verankert – vor allem in Österreich. Gleichzeitig wächst das Interesse an digitalen Lösungen, auch wenn viele noch abwarten. Für dich bedeutet das: In Zukunft wirst du wohl mehr Auswahl haben. Bargeld, Karte oder Digitaler Euro – alles nebeneinander. Die große Frage ist nicht mehr, ob sich etwas ändert. Sondern wie schnell, denn ob sich die Entwicklung aufhalten lässt, darf bezweifelt werden.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 17.03.2026, 20:59
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