Vor etwa sechs Jahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) das Projekt erstmals vorgestellt. Im Juni 2023 hat die EU-Kommission dann einen konkreten Vorschlag für den digitalen Euro auf den Tisch gelegt. Damit dieser Wirklichkeit wird, braucht es aber noch das Okay von den EU-Ländern und dem Parlament.
Die Mitgliedsstaaten haben schon im Dezember zugestimmt und damit den Druck auf die Abgeordneten ordentlich erhöht. Wie die "Salzburger Nachrichten" berichtet, hat sich das Parlament diese Woche hinter einen Antrag gestellt, der die Einführung eines digitalen Euros vorsieht.
In dem Antrag wird betont, das Projekt sei "entscheidend, um die monetäre Souveränität der EU zu stärken, die Fragmentierung im Massenzahlungsverkehr zu verringern und die Integrität und Resilienz des Binnenmarktes zu unterstützen". Ziel ist es, Europas Rolle im Zahlungsverkehr zu festigen und Abhängigkeiten zu reduzieren. Befürworter verweisen darauf, dass ein digitaler Euro Verbraucher bei Online-Transaktionen unabhängiger von US-Diensten wie PayPal machen würde.
Kritische Stimmen hingegen befürchten, eine staatlich gestützte Digitalwährung könnte zur Überwachung missbraucht oder im Extremfall genutzt werden, um einzelnen Personen den Zugriff auf ihr Geld zu entziehen. Um diese Bedenken auszuräumen, reiste Christine Lagarde nach Straßburg. Die EZB-Präsidentin versicherte, die Notenbank "hätte keinen Zugang zu persönlichen Daten". Zudem solle der digitale Euro "in keiner Weise Bargeld ersetzen".
Das Verhältnis zu den USA ist angespannt, Europa ist sich seiner eigenen Verwundbarkeit bewusst und will in wichtigen Bereichen wie Verteidigung und Technologie unabhängiger werden.
In einem offenen Brief haben dutzende Ökonomen im Jänner den digitalen Euro als einen Teil dieser Unabhängigkeit bezeichnet und sprechen von einer "unverzichtbare Absicherung der europäischen Souveränität".
Lagarde sieht das genauso: "Er wird auf einer vollständig europäischen Infrastruktur aufgebaut, wodurch eine übermäßige Abhängigkeit von ausländischen Anbietern für Zahlungssysteme vermieden wird, die für das Funktionieren unserer Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sind."
Die Bedenken beim digitalen Euro gehen aber über den Datenschutz hinaus. Europäische Banken fürchten, dass die neue elektronische Währung die Nachfrage nach ihren eigenen Online- und elektronischen Bankdiensten schwächen könnte – vor allem, weil einige Banken mit Wero ein eigenes Zahlungssystem starten wollen.
Laut EZB könnte der digitale Euro im Jahr 2029 eingeführt werden, wenn das Parlament noch heuer zustimmt. Bis dahin plant die EZB ein Pilotprojekt.