Zwar ist das 6,5-Millionen-Einwohner-Land schon seit 2007 Mitglied der EU. Aber erst seit heute (1. Jänner), 19 Jahre später, ist der Weg für den Euro auch in Bulgarien frei. Als 21. Mitglied der Währungsunion verabschiedet sich das Land vom Lew – und schickt gleichzeitig neue Euro-Münzen in Umlauf.
Die Motive sind alles andere als zufällig gewählt: Sie erzählen von Bulgariens Geschichte, christlichem Erbe und starkem Nationalbewusstsein.
Auf allen bulgarischen Cent-Münzen von einem bis 50 Cent ist ein echtes Monument verewigt: der Reiter von Madara. Das Felsrelief stammt aus dem frühen 8. Jahrhundert und gilt als eines der ältesten Zeugnisse des bulgarischen Staates.
Zu sehen ist ein Ritter, der triumphierend über einen Löwen reitet – direkt in den Fels nahe des Dorfes Madara im Nordosten des Landes gehauen. Seit 1979 zählt das beeindruckende Kunstwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Ein-Euro-Münze ziert der heilige Johannes von Rila, einer der wichtigsten Schutzpatrone Bulgariens. Er lebte zwischen 876 und 946 und gründete das berühmte Rila-Kloster, heute das größte und bekannteste Kloster des Landes. Der Legende nach lebte Johannes lange als Einsiedler in den Bergen – sein Zuhause soll der hohle Stamm eines uralten Baumes gewesen sein.
Auf der Zwei-Euro-Münze findet sich mit Païssi von Hilandar ein weiterer Mönch, der für Bulgarien Geschichte schrieb. Der Geistliche lebte im 18. Jahrhundert und verfasste das zentrale Werk der bulgarischen nationalen Wiedererweckung. Der Rand der Münze trägt die klare Botschaft: "Gott schützt Bulgarien".
Befürworter sehen im Euro einen wirtschaftlichen Schub, engere Verbindungen zum Westen und einen Schutzschild gegen den Einfluss Russlands. Trotzdem bleibt die Gemeinschaftswährung umstritten. Laut einer aktuellen Umfrage der EU-Kommission lehnen 49 Prozent der Bulgarinnen und Bulgaren den Euro ab.
Wer noch bulgarische Lewa-Banknoten besitzt und diese in Euro tauschen möchte, kann dafür zur Österreichischen Nationalbank (OeNB) gehen. Der Umtausch erfolgt dort kostenlos. Möglich ist dies noch bis 2. März – allerdings nur für jene Banknoten, die aktuell in Bulgarien noch als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.
Nicht angenommen werden bulgarische Münzen, ältere Banknotenserien ohne gültigen Status sowie die 1- und 2-Lewa-Scheine der Serie 1999.