Bald vier Jahre hat "God of War Ragnarök" auf dem Buckel und Fans spekulieren seit dem offiziellen Abschluss der nordischen Mythologie-Erzählung darüber, wohin es den zornigen Kriegsgott Kratos wohl als nächstes verschlagen könnte. Kürzlich sorgten PlayStation und die Santa Monica Studios dann bei der Spiele-Show State of Play für eine doppelte Überraschung: Einerseits wurde ein Remake der griechischen Hit-Trilogie von "God of War" angekündigt, andererseits wurde ein neues "God of War"-Spiel spontan vorgestellt und auch gleich veröffentlicht. Seitdem schlagen die Wellen vor allem unter Serien-Fans heftig wie nie hoch.
"God of War Sons of Sparta" wurde exklusiv für die PlayStation 5 veröffentlicht – und das noch am selben Tag der Vorstellung. Was Fans erwarteten, war ein weiterer Blockbuster im klassischen 3D-Action-Format. Was sie bekamen, ist jedoch etwas völlig anderes: ein 2D-Action-Plattformer mit Retro-Einflüssen, der junge Jahre des Spartaners Kratos und seines jüngeren Bruders Deimos in den Mittelpunkt rückt. Kratos ist dabei noch weit entfernt von seiner Rolle als immerzorniger Kriegsgott und auch von seinem Kreuzzug gegen die Götter Griechenlands. Dies hinterlässt nicht nur Fans verblüfft, sondern auch Kritiker gespalten.
"Sons of Sparta" beginnt wie erwähnt an einem Punkt, der für viele Fans ungewohnt ist: bevor Kratos der Gott des Krieges wurde. Die Handlung versetzt dich in seine Jugend, seine Zeit in der brutalen Agoge-Ausbildung der Spartaner zusammen mit seinem Bruder Deimos. Ein vermisster Kadett zwingt die Brüder dazu, gemeinsam aufzubrechen und das Unerwartete zu entdecken – Freundschaft und Loyalität werden auf die Probe gestellt. Es ist eine Geschichte über Pflicht, Ehre, Furcht und Bruderliebe – Themen, die im God-of-War-Kosmos tief verwurzelt sind. Und doch fühlt sich das Spiel anders an. Und sieht zugleich auch komplett anders aus.
Statt cinematischer 3D-Optik setzt "Sons of Sparta" auf klassische Pixel-Art und eine seitlich scrollende Perspektive, die mehr an alte Klassiker – Stichwort Metroidvania – erinnert als an moderne Blockbuster. Die Präsentation ist sauber, farbenfroh und stilisiert – aber dieser Retro-Look polarisiert. Manche Fans fühlen sich an frühere Zeiten erinnert, andere sehen einen Bruch mit dem visuellen Erbe der Hauptreihe. Diese Mischung aus Nostalgie und Neuerfindung spielt eine ebenso große Rolle wie die Spielmechanik. Während God-of-War-Titel durch ausgeklügelte 3D-Kämpfe und ausgefeilte Kameraarbeit faszinieren, schlägt "Sons of Sparta" andere Takte an.
Der Titel kombiniert klassische Plattform-Mechaniken mit Metroidvania-Elementen: Du erkundest verbundene Levels, trittst gegen mythologische Gegner an, sammelst Fertigkeiten, um weiter vorzudringen. Das Kampfsystem nutzt Kratos’ Speer und Schild, ergänzt durch Artefakte der Gaben des Olymp, die zusätzliche Effekte freischalten. Doch die Umsetzung stößt nicht bei allen auf Gegenliebe. Kritiker bemängeln, dass sich die Kämpfe in frühen Phasen schwerfällig und wenig befriedigend anfühlen. Und tatsächlich: Weder das Rückstoßgefühl noch der Rhythmus der Treffer vermittelt jene brutale Wucht, die man aus der Serie kennt.
Animationen wirken teilweise veraltet, und die Pixel-Darstellung, so charmant sie auch sein mag, kann die Action verschwimmen lassen. Gegnerreaktionen und Finishing-Moves erreichen selten die Dynamik, die God-of-War-Fans gewohnt sind – und das trotz solider Technikarbeit der Entwickler. Doch trotz dieser Kritikpunkte finden sich auch extrem positive Aspekte: Die Erkundung fühlt sich klassisch und befriedigend an. Umgebungsrätsel erfordern Denken und Timing, und die Metroidvania-Elemente, also Level-Verzweigungen und versteckte Abkürzungen, motivieren zum erneuten Durchspielen.
Für Fans von 2D-Abenteuern bietet das Spiel reichlich Substanz und ein grandioses Erlebnis. Die Entscheidung, Kratos und Deimos als junge Krieger in den Mittelpunkt zu stellen, ist mutig – und lässt Raum für emotionale Tiefe. Die Beziehung der Brüder, ihre Entwicklungen und Konflikte wirken greifbar. Die Erzählung setzt auf Beziehung und Charakterentwicklung, denn auf herkömmliche Kriegsepen. Tatsächlich konnte man dafür sogar alte Bekannte gewinnen: TC Carson, der Kratos in früheren Spielen seine Stimme gab, tritt als Erzähler auf, während Antony Del Rio den jungen Kratos synchronisiert. Deimos wird von Scott Menville gesprochen.
Diese Rückkehr etablierter Stimmen verleiht dem Spiel eine familiäre Wärme und sorgt für Nostalgie unter Fans. Doch nicht alle Aspekte der Präsentation kommen gut an. Einige Kritiker bemängeln, dass der Fokus auf Gespräche und erzählerische Passagen den Spielfluss bremst – insbesondere in einem Action-Titel, der für seine Intensität bekannt ist. Gerade jene, die schnelle, brutale Action erwarten, fühlen sich hier ausgebremst. Technisch ist "Sons of Sparta" jedoch solide umgesetzt. Trotz des Retro-Ansatzes überzeugt das Spiel mit klaren Effekten, flüssigen Animationen und einer Pixel-Ästhetik, die stark an klassische 2D-Perlen erinnert.
Diese Wahl ist offensichtlich ein bewusster Stilbruch – ein Versuch, den God-of-War-Mythos in ein anderes Genre zu übersetzen. Der Soundtrack bietet eine Mischung aus orchestralen Motiven und retro-inspirierten Klängen, die das Abenteuer atmosphärisch untermalen. Die musikalische Begleitung passt erstaunlich gut zur Stimmung, selbst wenn sie nicht ganz die epische Wucht früherer Titel erreicht. Die Sprachausgabe ist professionell und verleiht den Figuren emotionale Tiefe. Auch technisch läuft der Titel auf der PS5 stabil, ohne spürbare Leistungseinbrüche. Die Ladezeiten sind kurz, und DualSense-Funktionen werden unterstützt.
Die Reaktionen auf "Sons of Sparta" sind indes breit gefächert – von Zustimmung bis Spott. Im PlayStation-Store liegt das Game bei beeindruckenden 4,9 von 5 Sternen, doch seriöse Kritik fällt gemischt aus. Der Tenor: Es sei ein solider, aber wenig spektakulärer Metroidvania-Ausflug, der nicht ganz mit den größten Genrevertretern mithalten kann. Während die Erkundung und Atmosphäre gelobt werden, sorgen Schwächen im Kampf und der Retro-Darstellung für Abzüge in der B-Wertung. Kontrovers ist ein Statement des God-of-War-Originalschöpfers David Jaffe, der das Spiel bereits scharf kritisierte und es als "nicht wirklich God of War" bezeichnete.
Auch Aspekte wie der Multiplayer-Modus sorgen für Unmut: Die Funktion, gemeinsam im Koop zu spielen, ist erst nach dem Durchspielen freigeschaltet, nur offline auf der Konsole und nicht online verfügbar und besteht zudem aus besonders harten Herausforderungen und nicht dem gesamten Singleplayer-Erlebnis. "God of War: Sons of Sparta" ist dennoch ein faszinierender Ausreißer in einer sonst traditionellen Franchise. Während frühere Teile durch großangelegte 3D-Kämpfe und cineastische Erzählkunst glänzten, bringt dieses Spin-off ein völlig neues Format ins Universum – ein klassischer 2D-Action-Plattformer mit Metroidvania-Prägung.
Diese kreative Neuausrichtung bietet interessante Charaktermomente, eine emotionale Geschichte über junge Spartaner und eine solide technische Umsetzung. Doch Schwächen bei Kampfmechanik, visuellem Stil und Präsentation führen zu gemischten Kritiken unter den Fans. Ob "Sons of Sparta" ein Gewinn für die God-of-War-Reihe ist oder eher ein mutiges, aber fehlgeleitetes Experiment – darüber wird die Community noch lange diskutieren. Für Fans von Metroidvania- und Retro-Action-Spielen bietet es solide Unterhaltung. Hardcore-Anhänger klassischer God-of-War-Formate könnten jedoch enttäuscht zurückbleiben.