Spiele-Test

"Paranormasight" entfesselt einen düsteren Fluch

Ein düsterer Fluch, mehrere Perspektiven und viel Text: "Paranormasight: The Mermaid’s Curse" setzt auf Atmosphäre statt Action.
Rene Findenig
17.02.2026, 17:03
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Mit "Paranormasight: The Mermaid’s Curse" legt Square Enix einen Mystery-Thriller vor, der sich bewusst gegen gängige Blockbuster-Mechaniken stellt. Statt Action, Open-World-Hektik oder Dauerbeschallung setzt das Spiel auf Atmosphäre, Text, Dialoge und psychologisches Knistern. In Kürze erscheint der Titel für Nintendo Switch, Nintendo Switch 2 und PC via Steam und stellt den Nachfolger des exzellent bewerteten "Paranormasight: The Seven Mysteries of Honjo" dar. Entwickelt wurde das Spiel vom Creative Business Unit II-Team des Publishers, das sich hier einem erzählerisch dichten, bewusst altmodisch wirkenden Abenteuer verschrieben hat.

Was auf den ersten Blick wie ein klassisches Visual Novel wirkt, entpuppt sich schnell als verschachtelter Mystery-Krimi mit mehreren Perspektiven, übernatürlichen Elementen und einer Erzählstruktur, die bewusst mit Erwartungen spielt. Der Untertitel "The Mermaid’s Curse" verweist dabei nicht auf romantische Märchen, sondern auf eine düstere Legende rund um einen Fluch – und auf eine Geschichte, die sich Zeit nimmt, ihre Figuren und Motive auszuleuchten. Im Zentrum der Handlung steht eine moderne Großstadt, die mit einer alten Legende konfrontiert wird: dem sogenannten "Meerjungfrauen-Fluch".

Ein urbaner Mythos als Ausgangspunkt

Mehrere Figuren geraten unabhängig voneinander in Berührung mit dieser übernatürlichen Bedrohung. Was zunächst wie voneinander getrennte Episoden wirkt, verdichtet sich im Verlauf zu einem komplexen Netz aus Motiven, Schuldfragen und persönlichen Abgründen. Das Spiel arbeitet mit verschiedenen Protagonisten, deren Wege sich kreuzen. Diese Mehrperspektivität ist kein reiner Kunstgriff, sondern zentraler Bestandteil des Gameplays. Entscheidungen in einem Handlungsstrang können Auswirkungen auf andere Figuren haben. Dabei entfaltet sich die Geschichte in Kapiteln, die teils parallel, teils verzahnt verlaufen.

Die Legende selbst ist tief in die Spielwelt eingebettet. Dokumente, Gespräche und Beobachtungen liefern nach und nach Details über Ursprung und Mechanik des Fluchs. Statt plakativer Schockmomente setzt das Spiel auf langsame Eskalation. Das Unheimliche schleicht sich ein, baut Druck auf und zwingt die Figuren – und damit auch die Spielenden – zu Entscheidungen, die nicht immer moralisch eindeutig sind. Formal handelt es sich bei "Paranormasight" um ein Adventure mit starkem Visual-Novel-Charakter. Der Großteil des Spiels besteht aus Dialogen, inneren Monologen und Standbildern.

Zwischen Visual Novel und interaktivem Krimi

Dynamisch in Szene gesetzt wird das mit Kameraschwenks, Lichteffekten und Sounddesign. Interaktiv wird es vor allem dann, wenn Gespräche aktiv geführt oder Hinweise genauer untersucht werden müssen. Das Spiel fordert Aufmerksamkeit: Wer Dialoge nur überfliegt, kann entscheidende Informationen verpassen. Mehrfach kommt es zu Situationen, in denen das korrekte Timing oder das bewusste Anwählen bestimmter Gesprächsoptionen über Leben und Tod einer Figur entscheidet. Dabei wird deutlich, dass die Entwickler Wert auf ein klares Regelsystem gelegt haben. Übernatürliche Kräfte folgen nachvollziehbaren Bedingungen.

Der Fluch ist kein willkürliches Story-Werkzeug, sondern unterliegt festgelegten Regeln, die im Verlauf entschlüsselt werden können. Dieses System sorgt für Spannung, weil sich strategische Überlegungen mit erzählerischer Neugier verbinden. Optisch präsentiert sich das Spiel in einem 2D-Stil mit detaillierten Hintergründen. Straßenzüge, Innenräume und öffentliche Plätze sind sorgfältig gestaltet. Die Figuren erscheinen als gezeichnete Porträts, die sich durch subtile Animationen verändern. Die Inszenierung lebt von Perspektivwechseln und gezielten Kameraeffekten.

Atmosphäre als stärkste Waffe des Spiele-Krimis

Plötzliche Drehungen des Blickwinkels, das Hereinzoomen auf Gesichter oder das bewusste Spiel mit Dunkelheit und Stille erzeugen eine dichte Atmosphäre. Unterstützt wird das durch ein zurückhaltendes, aber effektives Sounddesign. Geräusche, Hall und Musik setzen Akzente, ohne die Dialoge zu übertönen. Gerade in ruhigen Momenten entfaltet sich eine spürbare Spannung. Das Spiel nimmt sich Zeit, Szenen auszubauen. Diese Entschleunigung mag nicht jedem gefallen, doch sie ist Teil des Konzepts. Statt permanenter Reizüberflutung setzt "Paranormasight" auf geduldige Verdichtung.

Die nicht-lineare Erzählweise ist eine der größten Stärken – und zugleich eine Herausforderung. Die einzelnen Kapitel lassen sich in unterschiedlicher Reihenfolge erleben. Erst nach und nach erschließt sich, wie die Puzzleteile zusammenpassen. Das sorgt für Aha-Momente, kann aber auch Verwirrung stiften. Wer längere Pausen zwischen Spielsessions einlegt, verliert mitunter den Überblick über Zusammenhänge. Das Spiel verlangt Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Gleichzeitig motiviert die Struktur dazu, verschiedene Pfade auszuprobieren und alternative Ausgänge zu entdecken.

Die nicht-lineare Erzählweise ist eine der größten Stärken – und zugleich eine Herausforderung.
Square Enix

Technische Umsetzung auf PC, Switch und Switch 2

Mehrere Enden sind möglich. Manche Handlungsstränge führen in Sackgassen oder abrupten Todesszenen. Diese Momente sind kein reiner Selbstzweck, sondern unterstreichen die Gefährlichkeit des Fluchs. Fehler werden nicht immer verziehen – oft bleibt nur der Rückgriff auf frühere Spielstände. Auf der Nintendo Switch läuft das Spiel stabil. Ladezeiten bleiben kurz, die Darstellung ist klar lesbar – sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus. Die Steuerung erfolgt wahlweise per Touchscreen oder Controller und ist auf die Menüführung abgestimmt. Die Nintendo Switch 2 profitiert von höherer Auflösung und flüssiger Darstellung.

Da es sich primär um ein textbasiertes Spiel handelt, stehen hier weniger technische Unterschiede im Vordergrund als bei grafisch aufwendigen Actiontiteln. Dennoch sorgt die modernere Hardware für eine insgesamt noch sauberere Präsentation. Auf dem PC lassen sich Auflösung und Darstellung flexibel anpassen. Auch auf mobilen PCs oder dem Steam Deck bleibt die Performance stabil, da die technischen Anforderungen moderat ausfallen. Bugs oder gravierende technische Probleme sind im regulären Spielverlauf nicht auffällig. Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich gestaltet, Speicherfunktionen arbeiten zuverlässig.

Interaktiv wird es vor allem dann, wenn Gespräche aktiv geführt oder Hinweise genauer untersucht werden müssen.
Square Enix

Erzähltempo ist gemächlich und Geduld ist gefragt

Ein zentraler Punkt ist das Tempo. "Paranormasight: The Mermaid's Curse" ist kein Spiel für zwischendurch. Längere Dialogpassagen prägen das Erlebnis. Wer schnelle Action sucht, wird hier nicht fündig. Die Stärke liegt im Aufbau von Spannung durch Information. Jede neue Enthüllung verändert den Blick auf das Geschehen. Figuren, die zunächst harmlos wirken, erhalten neue Facetten. Verdächtigungen verschieben sich. Dabei bleibt die Geschichte überwiegend ernst und konzentriert. Humor ist vorhanden, aber dosiert. Die Themen reichen von persönlichen Traumata über moralische Konflikte bis hin zu existenziellen Fragen.

Das Spiel nimmt seine Figuren ernst und erlaubt ihnen, Schwächen zu zeigen. Die englische Textfassung ist sorgfältig ausgearbeitet. Dialoge wirken natürlich und transportieren unterschiedliche Charakterstimmen. Die Menüführung ist klar strukturiert, wichtige Begriffe werden verständlich erklärt. Da das Spiel stark textlastig ist, hängt der Zugang stark von der Sprachkompetenz ab. Wer mit längeren englischen Texten Schwierigkeiten hat, könnte sich schwertun. Gleichzeitig trägt die präzise Übersetzung dazu bei, die Nuancen der Geschichte zu bewahren. Deutsch wird weder im Menü, noch in den Untertiteln unterstützt.

Ein Thriller für Geduldige, der sich ordentlich lohnt

Die Hauptgeschichte lässt sich in mehreren Stunden abschließen, wobei die tatsächliche Dauer stark vom Lesetempo und der Bereitschaft abhängt, alternative Pfade zu erkunden. Wer alle Enden und Variationen sehen möchte, investiert deutlich mehr Zeit bis hin zu mehreren Tagen oder gar Wochen. Durch die verzweigte Struktur entsteht ein natürlicher Wiederspielwert. Entscheidungen können neu bewertet werden, Hinweise gewinnen im zweiten Durchgang an Bedeutung. Manche Zusammenhänge erschließen sich erst rückblickend vollständig, für einen Durchgang sollte man aber rund 15 Stunden einrechnen, wenn man der Story folgen will.

"Paranormasight: The Mermaid’s Curse" ist kein Mainstream-Titel, sondern ein erzählerisch ambitioniertes Adventure. Square Enix liefert hier ein Spiel, das bewusst auf Text, Atmosphäre und Struktur setzt. Wer sich auf das ruhige Tempo, die verschachtelte Erzählweise und die übernatürliche Thematik einlässt, erlebt einen dichten Mystery-Krimi mit klaren Regeln und mehreren Perspektiven. Für Action-Fans hingegen ist das Spiel kaum geeignet. Für Liebhaber von Visual Novels, Krimis und interaktiven Geschichten hingegen bietet es eine durchdachte, konsequent umgesetzte Erfahrung.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 17.02.2026, 17:03
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