Videospiel-Test

Super-Samurai lernt neue Ninja-Tricks: "Nioh 3" im Test

"Nioh 3" bleibt gnadenlos, wird aber offener. Der Test zeigt, warum der dritte Teil selbst Fans fordert und Neulinge zwar nicht schont, aber einlädt.
Rene Findenig
04.02.2026, 16:33
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Willkommen zurück im Albtraum aus Stahl und Dämonen! Eigentlich schien alles so, als hätte Team Ninja nach Teil 2 die "Nioh"-Serie bereits abgeschlossen, aber aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Und so startet nun "Nioh 3" (vorerst für PlayStation 5 und PC) wieder, wie es die Vorgänger vorgezeigt haben – es steht einfach da, zieht das Katana und wartet ab, wer mutig genug ist, näherzukommen. Schon nach wenigen Minuten ist klar: Team Ninja bleibt seiner Philosophie treu. Dieses Spiel will und wird nicht jedem Gamer gefallen, denn es ist genauso gnadenlos, wie wir die bisherige Serie kennen. Heißt: Konzentration ist Pflicht, Nachlässigkeit wird bestraft, nur wer übt und lernt, kommt weiter.

Samurai, Yokai und allerlei mythologische Ungeheuer warten nicht höflich, sie schlagen zu. Und zwar schnell. Ganz so, wie man es von einem Soulslike erwartet. Doch "Nioh" zeigte bereits bisher, dass es mehr ist: In Sachen Bosse teils härter als "Bloodborne", beim Tempo weit schneller als "Sekiro", mit Blick auf Stile, Items und Möglichkeiten noch komplexer als "Elden Ring" und mit einer noch steileren Lernkurve als "Dark Souls". Der Einstieg fühlt sich vertraut an. Die Kamera sitzt dort, wo sie hingehört, das Kampfsystem meldet sich sofort zurück, und der Tod ist wieder ein ständiger Begleiter. "Nioh 3" setzt dort an, wo seine Vorgänger aufgehört haben, will aber gleichzeitig mehr sein als nur die nächste Eskalationsstufe des Konzepts.

Eine Welt, die größer denkt – aber nicht alles verändert

Eine der auffälligsten Neuerungen ist die Struktur der Spielwelt. "Nioh 3" verabschiedet sich teilweise vom strikt missionsbasierten Aufbau früherer Teile und setzt erstmals auf eine zusammenhängendere, offenere Welt. Ganz offen im klassischen Sinne ist sie zwar nicht offen und frei begehbar, aber deutlich verzweigter, freier und weniger linear. Gebiete hängen logisch zusammen, Abkürzungen werden relevanter, und Erkundung fühlt sich weniger nach Pflichtprogramm an. Wer vom Weg abweicht, stößt auf optionale Kämpfe, versteckte Schreine oder besonders harte Gegner, die eher als Warnung denn als Einladung gedacht sind. Das Spiel zwingt niemanden zur Erkundung, belohnt sie aber spürbar. Und das ist ein feiner Unterschied.

Das Kampfsystem ist indes nach wie vor das Herz von "Nioh 3". Wer hier unüberlegt zuschlägt, wird bestraft. Haltung wechseln, Ausdauer managen, Angriffe lesen – all das bleibt essenziell. Die bekannte Ki-Mechanik ist wieder zentraler Bestandteil jedes Gefechts und verlangt weiterhin Aufmerksamkeit. Neu ist, wie flüssig sich viele Abläufe anfühlen. Animationen greifen besser ineinander, Waffenwechsel gehen schneller von der Hand, und selbst hektische Kämpfe wirken kontrollierter als früher. Das Spiel ist nicht einfacher geworden, aber fairer. Gegner zeigen Angriffe klarer, ohne berechenbar zu wirken. Fehler liegen fast immer beim Spieler – und genau das macht den Reiz aus. Immerhin: Der Start ins Spiel besteht nun aus einer Art Tutorial.

Der neue Ninja-Stil

Eine der spannendsten Ergänzungen ist der neue Ninja-Stil. Während der klassische Samurai-Kampf weiterhin auf Standfestigkeit, Timing und Kontrolle setzt, bietet der Ninja-Ansatz eine deutlich beweglichere Spielweise. Schnelle Ausweichmanöver, überraschende Angriffe aus ungewohnten Winkeln und ein stärkerer Fokus auf Mobilität verändern den Rhythmus der Kämpfe spürbar. Der Ninja-Stil erlaubt es, Gefechte anders zu lesen – weniger frontal, dafür taktischer. Allerdings ist dieser Stil kein Freifahrtschein. Wer zu aggressiv spielt oder Beweglichkeit mit Sicherheit verwechselt, wird schnell bestraft. Der Ninja-Stil verlangt mindestens genauso viel Aufmerksamkeit wie der klassische Ansatz, vielleicht noch mehr.

Neben dem Ninja-Stil bleibt auch die Dualität zwischen menschlicher und Yokai-Form zentral. Der Wechsel ist mehr als eine visuelle Spielerei. Er beeinflusst Reichweite, Schaden, Verteidigung und Risikobereitschaft. In der Yokai-Form fühlt man sich mächtig, fast unaufhaltsam. Doch diese Stärke ist zeitlich begrenzt und verführt zu Fehlern. Wer sie zu früh oder unüberlegt einsetzt, verliert schnell die Kontrolle über den Kampf. Gerade in Bosskämpfen entfaltet dieses System seine volle Wirkung. Der richtige Moment für den Wechsel kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die menschliche Form steht indes für Kontrolle, Präzision und defensive Optionen. Diese Dualität gibt Kämpfen eine zusätzliche taktische Ebene.

Alte Bekannte und neue Albträume unter den Gegnern

"Nioh 3" greift erneut tief in den Fundus japanischer Mythologie. Bekannte Yokai feiern ihr Comeback, bekommen aber neue Angriffsmuster oder zusätzliche Fähigkeiten. Gleichzeitig gibt es genug neue Gegnertypen, um Routine gar nicht erst aufkommen zu lassen. Bosskämpfe sind erneut Highlights – nicht wegen ihrer Größe, sondern wegen ihrer Mechaniken. Viele fordern Geduld statt Aggression, andere zwingen zum ständigen Wechsel der Strategie. Apropos Wechsel: Kampfstile, Waffen und Co. lassen sich fließend umschalten. Einige Feinde lassen sich beim ersten Versuch kaum einschätzen und fühlen sich dann beim zweiten Durchlauf plötzlich deutlich fairer an. Frust entsteht selten aus Unklarheit, meist aus Ungeduld.

Das wieder extrem umfangreiche Loot-System bleibt ein zweischneidiges Schwert. Waffen, Rüstungen und Talismane regnen weiterhin in rauen Mengen vom Himmel. Für Fans komplexer Builds ist das ein Traum, für Neueinsteiger mitunter erschlagend. "Nioh 3" versucht gegenzusteuern, indem Menüs übersichtlicher gestaltet und Filteroptionen verbessert wurden. Auch die Möglichkeit des automatischen Beute-Einsammeln gibt es. Trotzdem bleibt viel Verwaltungsarbeit, besonders im späteren Spielverlauf und im Endgame. Wer Freude daran hat, Werte zu vergleichen und Set-Boni zu optimieren, wird sich hier einmal mehr stundenlang verlieren können. Wer einfach nur kämpfen will, könnte sich gelegentlich ausgebremst fühlen.

Story ist Mittel zum Zweck, Technik macht guten Eindruck

Technisch zeigt sich "Nioh 3" auf der PlayStation 5 von seiner soliden Seite. Die Bildrate bleibt stabil, Ladezeiten sind kurz, und auch in chaotischen Kämpfen mit mehreren Gegnern gibt es kaum Einbrüche. Optisch setzt das Spiel weniger auf Spektakel als auf Atmosphäre. Die Welt wirkt düster, oft bedrückend, aber stimmig. Licht, Schatten und Partikeleffekte unterstützen das Gefühl permanenter Bedrohung, ohne vom Wesentlichen abzulenken. Der Soundtrack hält sich meist im Hintergrund, tritt in Bosskämpfen aber gezielt hervor. Geräusche sind klar, Angriffe gut hörbar – ein nicht zu unterschätzender Vorteil in hektischen Situationen. Die Handlung von "Nioh 3" erfüllt wie bei den Vorgängern ihren Zweck, ohne je im Mittelpunkt zu stehen.

Historische Figuren, übernatürliche Elemente und persönliche Motive werden miteinander verwoben, bleiben aber bewusst fragmentarisch. Dialoge sind knapp, Zwischensequenzen funktional. Wer sich tiefer mit der Welt beschäftigen will, findet Hinweise in Texten und Nebenmissionen. Wer nur kämpfen möchte, kann die Geschichte weitgehend ignorieren, ohne etwas Entscheidendes zu verpassen. Das passt zum Gesamtkonzept – emotional mitreißend will "Nioh 3" nicht sein, sondern fordernd. Vieles wird aber auch einfach durch die Spielwelt erzählt: Sidequests erweitern manchmal das Wissen über Gegner-Schwächen, Schleichwege machen manchmal auch den härtesten Gegner zum Futter für unser Katana.

Zugänglicher für Neulinge, ohne Fans zu verprellen

"Nioh 3" kommt Neulingen entgegen, ohne seinen Charakter zu verlieren. Tutorials sind klarer, Einstiegssysteme verständlicher. Trotzdem bleibt der Schwierigkeitsgrad hoch, wenn nicht sogar höher als im ersten und zweiten Teil. Das Spiel erwartet Aufmerksamkeit, Lernbereitschaft und Geduld. Wer sich darauf einlässt, wird belohnt. Wer schnelle Erfolgserlebnisse sucht, dürfte früh aussteigen. Erleichterungen wie mögliches Koop-Play gibt es, aber sie ersetzen keine Übung, denn auch die Gegner werden mit Mitspielern stärker oder zahlreicher. Genau darin liegt die Konsequenz des Designs – Spieler sollen kämpfen, nicht andere vorschicken, um sich die harte Arbeit von anderen erledigen zu lassen.

Nach dem Abspann – auch das kennt man aus den Vorgängern – ist noch lange nicht Schluss. New-Game-Plus-Varianten in Hülle und Fülle, härtere Gegner und bessere Ausrüstung sorgen für Motivation bei all jenen, die sich weiter messen wollen. Auch Koop-Elemente sind wieder vorhanden und sinnvoll integriert. Gemeinsam zu kämpfen nimmt dem Spiel zwar etwas von seiner Einsamkeit, nicht aber von seiner Schwierigkeit. "Nioh 3" versteht sich erneut klar als Langzeitprojekt – und richtet sich an Spieler, die genau das suchen. Im Endgame und sich stetig steigernden Schwierigkeitsgraden dürfte jeder Samurai- und Ninja-Profi die Härte finden, die auch für sie oder ihn noch eine Herausforderung darstellt.

Kein Neuanfang, aber ein grandioser Schritt nach vorn

Loot, Builds und Ausrüstung sind wieder das Um und Auf für den eigenen Spielstil, und durch das duale Samurai-Ninja-System wird die Ausrüstungswahl nun noch komplexer. Nur eines von Hunderten Beispielen: Ein Ninja mit zwei schnellen Katanas und Fokus auf kritischen Schaden überholt Gegnergruppen schneller, muss aber auf Ki und Ausweich-Management achten. Ein Samurai mit schwerer Rüstung kann Gegnergruppen langsam zerlegen, übersteht mehr Schaden, kann aber schnellen Angriffen manchmal zu spät ausweichen. Mit der Samurai-Haltung wartest du auf Öffnungen, blockst erste Attacken, nutzt Konterangriffe. Als Ninja wird jeder Angriff umgangen statt geblockt, Feinde werden flankiert, Schwachstellen attackiert.

Da die zwei Stile so konträr sind, muss gut abgewogen werden, welchen Stil man mit welcher Waffe und Ausrüstung stärkt – bis auf wenige Ausnahmen lassen sich dazu zwei unabhängige Set-ups speichern. "Nioh 3" erfindet sich insgesamt nicht neu. Es verfeinert bekannte Systeme, öffnet seine Welt und erweitert den Kampf um sinnvolle Optionen. Das Ergebnis ist, dass es sich vertraut anfühlt und den Spagat zwischen mehr Komplexität und besserer Zugänglichkeit schafft. Wer die Reihe bisher mochte, bekommt genau das, was erwartet wird – nur runder. Wer bisher keinen Zugang gefunden hat, wird auch hier nicht bekehrt. Und das ist in Ordnung. Denn "Nioh 3" weiß sehr genau, für wen es gemacht ist, und die werden großartig versorgt.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 04.02.2026, 16:33
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