Was wie ein schlechter Scherz klingt, hat massive Folgen: Junge Männer aus einer skrupellosen Online-Szene sollen massenhaft Bombendrohungen verschickt haben – gezielt, organisiert und offenbar aus Langeweile.
In Chatgruppen auf Plattformen wie Discord prahlten damit, mehr Drohungen als die Terrororganisationen Al-Kaida und Islamischer Staat verschickt zu haben, und stachelten einander zu immer weiteren Taten an.
Bei einem solchen Treffen Anfang Dezember 2024 soll laut "Standard"-Recherche einer der Teilnehmer des sogenannten "Schweinetreffs" mit der Frage "Weißt du, was man eigentlich machen muss?" provoziert haben. Die Antwort darauf gab der Piefke selbst: "Diese Österreicher richtig ficken."
Die reale Konsequenzen für uns: In Österreich und Deutschland kam es zu Hunderten Polizei- und Rettungseinsätzen, Bahnhöfe und Schulen mussten wegen gefälschter islamistischer Bombendrohungen geräumt werden. Die Kosten dafür waren enorm.
Im November 2025 war es vorbei mit dem "Schweinetreff". Österreichische und deutsche Ermittler klopften bei den mutmaßlichen Tätern, durchsuchten ihre Wohnungen. Den vier in Deutschland lebenden Beschuldigten im Alter zwischen 16 und 23 Jahren wird die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die deutschen Behörden wurden um Übernahme der Strafverfolgung ersucht.
Das Phänomen ist nicht neu, hat in den letzten Jahren eine ungeheure Dimension angenommen. Wie der "Standard" berichtet, sollen alleine 2025 Tausende Drohungen verschickt worden sein. Dahinter steht eine Szene rund um die Gruppe "NWO" – "New World Order" (dt. Neue Weltordnung).
Deren mutmaßliche Rädelsführer bekamen schon im September 2024 Besuch von den Behörden. Auch hier wird gegen mindestens elf Personen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Wie viele Mitglieder "NWO" wirklich hat, ist unbekannt – es könnten Hunderte sein.
Was man allerdings weiß: Die Beteiligten sind meist zwischen 16 und 35 Jahre alt, viele mit schwierigen Lebensläufen, Schulabbrüchen und ohne Perspektive. Laut Ermittlungen wurden manche Taten sogar unter Drogen verübt. Sie berauschen sich daran, über das Internet Macht auszuüben – als Ausgleich zu ihrem Versagen in der realen Welt.
Zu ihrem Repertoire des Grauens gehört auch gezieltes Stalking und sogenanntes "Swatting". Dabei werden falsche Notrufe abgesetzt, um Polizeieinsätze bei unschuldigen Menschen auszulösen – in den USA gab es dabei sogar schon unschuldige Tote.
In Österreich hatte sich die Szene auf die Influencerin Pia S., alias Shurjoka, eingeschossen. Die Streamerin wurde zur Zielscheibe eines eigenen "Spiels", bei dem sie systematisch terrorisiert wurde. Im Dezember 2024 löste ein Teilnehmer des sogenannten "Shurjoka Game" mit einem "Swatting"-Anruf einen Polizeieinsatz bei einem ihrer Familienmitglieder aus.
Die Staatsanwaltschaft Graz ließ das Verfahren schlussendlich "in Ermangelung weiterer Ermittlungsansätze" fallen. Obwohl der Verdächtige inzwischen als Teil des "Schweinetreffs" identifiziert wurde, plant die Staatsanwaltschaft laut "Standard"-Bericht derzeit keine Wiederaufnahme der Ermittlungen.
Im März 2025 verschickten Unbekannte dann vermeintlich linksextremistische Bombendrohungen gegen das Stadion Center in der Wiener Leopoldstadt. Sie unterschrieben in S.' Namen, fälschten sogar ihre E-Mail-Adresse. Die Polizei nahm die Drohung ernst und ermittelte zunächst gegen die Österreicherin! Auch dieses Verfahren wurde eingestellt.
Für Pia S. ist die Machtlosigkeit der Behörden ein Schlag ins Gesicht: "Sie haben es für sich als Spiel formuliert, mein Umfeld und mich so lange zu quälen, zu terrorisieren und zu stalken, bis ich so verzweifelt bin, dass mir nichts anderes mehr übrig bleibt, außer mich zu suizidieren", schildert sie dem "Standard" den Horror. Immer noch leidet sie unter Angststörungen und Panikattacken: "Die 'NWO' hat meine Existenz vollständig zerstört".