Online-Radikalisierung

DSN-Chefin schlägt Alarm – IS-Fanatiker immer jünger

Österreichs Verfassungsschutz beobachtet eine massive Verjüngung der Terrorverdächtigen – viele sind noch nicht volljährig.
Newsdesk Heute
18.01.2026, 09:55
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Österreichs Sicherheitsbehörden stehen vor wachsenden Herausforderungen. An ihrer Spitze steht Sylvia Mayer: Mit 39 Jahren ist sie die erste Frau an der Spitze der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Im Interview mit der "Krone" warnt sie vor Terrorgefahr, radikalisierten Jugendlichen und internationaler Spionage – und nennt Russland als große Bedrohung.

Die größte Gefahr gehe weiterhin vom Terrorismus aus. "Die größte Herausforderung besteht weiterhin im islamistischen Terrorismus, dicht gefolgt vom Rechtsextremismus und Terrorismus. Aber auch der Linksextremismus ist nicht zu vernachlässigen", so Mayer.

Sylvia Mayer ist neue DSN-Chefin.
APA-Images / SEPA.Media / Isabelle Ouvrard

"Bedrohungslage weiterhin eine sehr hohe"

Nach dem Hamas-Angriff auf Israel habe sich die Lage deutlich verschärft. "Wir sehen seit 2023 (…) eine Zunahme an Anschlagsplanungen in Europa und auch Österreich. 2025 wurden bei uns wieder mehrere Anschläge, wie auf den Wiener Westbahnhof durch einen 15-Jährigen, verhindert. Die Bedrohungslage ist weiterhin eine sehr hohe."

Besonders besorgniserregend ist das sinkende Alter der Gefährder. "Der Hauptgrund für die massive Verjüngung der Gefährder und auch Tatverdächtigen ist die Online-Radikalisierung." Während 2021 noch 14 Prozent der Tatverdächtigen minderjährig waren, seien es 2024 bereits über 40 Prozent. Auch Hochrisiko-Gefährder werden jünger: "Im Jahr 2020 haben wir ein Durchschnittsalter von 31 Jahren gesehen und 2025 ein Durchschnittsalter von aktuell 23 Jahren."

Radikalisierung über Social Media

Soziale Medien spielen dabei eine zentrale Rolle. "Dschihadistische Inhalte in sozialen Medien sind ein Hauptgrund dafür, dass die Zahl der Gefährder in Österreich steigt." Mayer spricht sich daher klar für Maßnahmen aus: "Aus meiner Sicht ist es dringend notwendig, diese Maßnahme mit einem Mindestalter aus gesamteuropäischer Ebene zu setzen, auch wenn es kein Allheilmittel ist." Auch elektronische Überwachung sieht sie positiv: "Auch die Fußfessel, insbesondere als Auflage nach Haftentlassungen bei Verurteilungen nach Terrorismusstraftaten, hilft."

"Russland eine große Bedrohung für die EU"

Ein weiterer Schwerpunkt ist Spionage. "Russland ist nach wie vor eine große Bedrohung für die Europäische Union im gesamten." Wien sei als internationaler Knotenpunkt besonders attraktiv. "Jene Staaten, von denen die größte Bedrohung für Österreich ausgeht, sind Russland, Iran und China."

Beim Thema russische Abhöranlagen in Wien wurden bereits Schritte gesetzt. "Es wurden einzelne Techniker, die diese Anlage betreiben, im vergangenen Jahr ausgewiesen. Aber es gibt noch weiteren Handlungsbedarf." Auch das Spionagegesetz müsse verschärft werden. "Ja, die braucht es."

Zur Arbeit der "SOKO Oligarchen" zieht Mayer eine klare Bilanz: "Momentan sind wir bei Liegenschaften bei einem eingefrorenen Vermögen von 15 Millionen Euro, bei tatsächlichen Vermögenswerten wie Bankguthaben bei mehr als einer Milliarde."

{title && {title} } red, {title && {title} } 18.01.2026, 09:55
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