Die Ermittlungen nach dem aufsehenerregenden Tod einer deutschen Mutter und ihrer zwei Kinder während eines Urlaubs in Istanbul laufen in mehrere Richtungen. Bislang gehen die Behörden von einer Lebensmittelvergiftung als Ursache aus. Zuletzt geriet allerdings auch das Hotel der Familie in den Fokus, nachdem zwei weitere Touristen mit Vergiftungserscheinungen ins Spital eingeliefert wurden.
Wie die türkische Tageszeitung "Hürriyet" nun berichtet, könnte in den Hotelräumen kürzlich ein Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt worden sein. Im Gespräch mit der Zeitung erklärt die Biologin Emel Kayıkçı, dass die Vergiftungen auf unsachgemäße Schädlingsbekämpfung im Zusammenhang mit Bettwanzenbefall zurückzuführen sein könnten.
"Anstatt mit zertifizierten Unternehmen zusammenzuarbeiten, beauftragen viele Hotels in den Vierteln Fatih, Laleli und Beyazıt nicht lizenzierte Firmen. Bettwanzen sind in den Hotelbetten dieser Gegenden weit verbreitet. Diese Firmen kaufen illegale Pestizide auf dem Schwarzmarkt und setzen sie dann ein", so die Biologin.
Diese Firmen sollen oft die deutlich gefährlichere Methode der Begasung anwenden. "Dabei werden alle Lebewesen in der Umgebung durch Einatmen abgetötet. Wenn es in einem Hotel ein Bettwanzenproblem gibt, wurden die Betten wahrscheinlich besprüht. Die Mittel können über die Haut aufgenommen werden, und das kann zu Vergiftungen führen."
Die Behörden evakuierten das Hotel im Stadtteil Fatih nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Samstagabend und versiegelten das Gebäude. Die Gäste wurden verlegt. Neben Wasserproben wurde auch die Bettwäsche sichergestellt.
Wie "Heute" berichtete, war die Familie vor einer Woche nach Istanbul gereist. Am Mittwoch war die Familie Anadolu zufolge wegen Übelkeit und Erbrechens in ein Spital mit Verdacht auf Lebensmittelvergiftung eingeliefert und vorübergehend entlassen worden.
Nachdem sich der Zustand verschlechtert hatte, wurde die gesamte Familie in der Nacht erneut in ein Spital gebracht. Kurz darauf starben beide Kinder, danach am Freitag die Mutter. Der Vater liegt nach wie vor auf der Intensivstation – über seinen Zustand ist nichts Neues bekannt.