Acht Jahre lang suchte Brigitta S. nach ihrer Tochter Jenni. Mittlerweile ist traurige Gewissheit: Die 21-Jährige wurde von ihrem damaligen Partner ermordet, Clemens T. (32) bekam bei seinem Prozess Ende August nicht rechtskräftig lebenslang.
Doch während ihrer jahrelangen Suche nach dem Täter soll ein Mann die verzweifelte Situation der Familie ausgenutzt haben. Wie "Kurier" und "Krone" berichten, handelt es sich dabei ausgerechnet um jenen Michael B., der auch im Umfeld des früheren Finanzministers Karl-Heinz Grasser aufgetaucht sein soll.
Der Wiener soll im Fall Grasser E-Mails gefälscht haben, mit denen eine angeblich korrupte Richterin belastet werden sollte. Grassers Anwälte zahlten für die vermeintlichen Informationen Geld rund 20.000 Euro. Die Unterlagen stellten sich allesamt als Fälschungen heraus.
Doch Michael B. soll auch Kontakt zum Umfeld von Brigitta S. aufgenommen haben. Die "Krone" berichtete zuerst über den Fall. Gegenüber dem "Kurier" schildert Jennis Mutter nun ihre Begegnung mit dem Mann. "Wir haben uns in der Wohnung getroffen", – jener Wohnung, in der ihre Tochter getötet worden war.
Michael B. habe sich als "Informationsbeauftragter, der bei einem Rechtsanwalt gearbeitet hat" vorgestellt. Die Wienerin erinnert sich gegenüber dem "Kurier" an ein "dünnes, blasses Mannderl". Er habe behauptet, den Vermisstenfall bereits länger zu beobachten und helfen zu wollen. Damals klammerte sich die Familie noch an jede Spur, die zu Jenni führen könnte.
Besonders wichtig war eine anonyme Anruferin. Diese wollte Jenni bei einer Tankstelle gesehen haben. Die junge Frau habe dort verzweifelt nach einem Handy gesucht. Michael B. sollte helfen. Die Familie erklärte ihm zunächst, dass alle Unterstützer ehrenamtlich tätig seien. Später soll der Wiener jedoch Ausgaben für seine Arbeit geltend gemacht haben.
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Schließlich zahlte die Familie 1.000 Euro. Die erhofften Informationen kamen aber nicht. Stattdessen habe Michael B. unter anderem Grundbuchauszüge und Abfragen aus dem Vereinsregister geliefert – Informationen, die vergleichsweise leicht zu beschaffen waren.
Erst später wurde der Familie von der Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass man auf einen mutmaßlichen Betrüger hereingefallen sei. Als die Mutter später im Kontext der Causa Grasser die Initialen M. B. las, habe sie sofort einen Verdacht gehabt. "Als ich dann beim Fall Grasser die Initialen M. B. gelesen habe, war mir klar, wer damit gemeint sein muss", sagt sie. Ob Michael B. noch weiteren Personen seine Dienste angeboten und dafür Geld verlangt haben soll, ist derzeit offen.