"Ich behaupte, dass wir uns von A bis Z lückenlos richtig verhalten haben." Das sagt der Ex-Justizminister und einer der Anwälte von Karl-Heinz Grasser, Dieter Böhmdorfer, nachdem er innerhalb der Justiz helle Empörung ausgelöst hatte.
Die Grasser-Anwälte zeigten die mögliche Befangenheit der Richterin im Buwog-Prozess an – sind dabei aber auf einen mutmaßlichen Betrüger reingefallen, dem sie Honorar für Ausdrucke bezahlt haben sollen.
Dieser soll E-Mails fingiert haben, die angeblich eine Befangenheit der Richterin beweisen. Dabei kommt nun nicht nur ein kurioses Detail zutage: Der arbeitslose Bibliothekar, der sich als Computerfachmann ausgab und dessen Meldeadresse ein Wohnhaus für Obdachlose ist, soll nicht einmal einen Computer haben, sondern nur ein Tastenhandy verwenden.
Entsprechend wenig glaubhaft wirkten seine Schilderungen, als er noch als Zeuge vor den Korruptionsermittlern aussagen sollte. Er habe die Mails von seiner Zeit bei einer Anwaltskanzlei, verstrickte sich laut "Kurier" aber immer wieder in Widersprüche, die durch grundlegendste IT-Kenntnisse zu verhindern gewesen wären.
"Mir ist vieles komisch vorgekommen", sagt Grasser-Anwalt Dieter Böhmdorfer jetzt im Ö1-Morgenjournal. Man habe lediglich die Justiz um Hilfe gebeten, damit die Staatsanwaltschaft entsprechend ermitteln kann. Wochenlang habe man überlegt, wie man am besten vorgeht. Einfach die Unterlagen zu ignorieren, sei letztlich keine Option gewesen.
Man habe deswegen in der Sachverhaltsdarstellung auch beide Optionen ins Spiel gebracht: Entweder die Richterin sei befangen, oder beim Informanten handele es sich um einen Betrüger. Ob Böhmdorfer im Nachhinein etwas anders machen würde? "Ich wüsste nicht was." Selbst der Staatsanwalt habe drei Gutachten und ein Jahr gebraucht, um die Ermittlungen einzustellen.