Es sollte nur ein kurzer Spaziergang werden, doch für eine zweifache Mutter aus Villach endete er in einem Albtraum. Ein Belgischer Schäferhund fiel am 1. August von hinten über die 29-Jährige her und biss sie mehrfach.
Ihre Mutter Andrea Rössler erinnert sich an die dramatischen Momente: "Alles war voll mit Blut. Es war furchtbar", wird sie in der Kleinen Zeitung zitiert.
Gegen 20:30 Uhr erhielt Rössler einen Anruf ihrer Tochter. Die junge Frau schrie völlig aufgelöst "Mama" und brachte kaum verständliche Worte heraus. "Ich wusste sofort, dass etwas Schlimmes passiert sein musste", erzählt die Mutter. Zunächst dachte sie an ihre Enkelkinder im Alter von zwei und drei Jahren. Doch die Kinder waren nicht betroffen. Ihre Tochter rief immer wieder nur: "Hundebiss, Hundebiss."
Ein zufällig anwesender Mann nahm der Verletzten das Handy ab und informierte Rössler über den Vorfall. Die Rettung sei bereits verständigt worden. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten machte sich die Mutter sofort auf den Weg zum Schilfweg im Villacher Stadtteil Auen.
Dort bot sich ihr ein schrecklicher Anblick: Ihre Tochter saß am Boden, ihre Kleidung war blutverschmiert. Auch auf der Straße war überall Blut zu sehen. "Meine Tochter wirkte apathisch", berichtet Rössler. Die Rettung war bereits vor Ort, eine zufällig anwesende Ärztin versorgte die Verletzungen. Eine junge Frau kniete neben der 29-Jährigen und versuchte, sie zu beruhigen.
Die Verletzte wurde ins LKH Villach gebracht und operiert. Sie hatte Bisswunden an der linken Hand und im Brustbereich erlitten.
Erst nach und nach konnte die zweifache Mutter ihrer Familie erzählen, was passiert war. Nachdem sie ihre beiden kleinen Kinder ins Bett gebracht hatte, wollte sie noch eine Runde spazieren gehen. Sie war nur wenige Gehminuten von ihrem Zuhause entfernt, als der Belgische Schäferhund plötzlich von hinten angriff.
"Der Hund hat sich erst am linken Unterarm festgebissen. Danach ist er meiner Tochter in Richtung Hals gesprungen. Instinktiv hat sie ihren Arm schützend hochgerissen. Der Hund hat ihr dann in den Oberarm und in den Brustbereich gebissen", schildert Rössler. Für die 29-Jährige ging es in diesem Moment ums Überleben. Sie habe geglaubt, ihre Kinder nie wiedersehen zu können.
Fast drei Monate nach dem Angriff leidet die junge Mutter noch immer unter den Folgen. Im Unterarm habe sie weiterhin ein Taubheitsgefühl, außerdem Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Hinzu kommen psychische Belastungen: "Dazu kommen Angstzustände und Panikattacken." Über den Angriff in der Öffentlichkeit sprechen könne ihre Tochter bis heute nicht.
Für die Familie ist deshalb schwer nachvollziehbar, dass die Staatsanwaltschaft Klagenfurt die Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Hundehalter eingestellt hat. Dieser nahm eine von der Staatsanwaltschaft angebotene Diversion in Höhe von 1.960 Euro an.
Anwalt Alexander Todor-Kostic, der die 29-Jährige vertritt, hat einen Antrag auf Fortführung des Ermittlungsverfahrens gestellt. Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Von der Beendigung der Ermittlungen habe die Familie erst durch eine Akteneinsicht erfahren, erklärt der Anwalt. Zudem habe sich seine Mandantin dem Strafverfahren bereits als Privatbeteiligte angeschlossen und Schäden an ihrer Brille und ihrer Kleidung bekannt gegeben.
Auch die Frage nach Schadenersatz ist noch nicht endgültig geklärt. Sollte keine außergerichtliche Einigung mit der Haftpflichtversicherung zustande kommen, will der Anwalt die Ansprüche seiner Mandantin gerichtlich durchsetzen. Der Anwalt der Hundebesitzer habe sich allerdings bereits gemeldet.
Der Hundehalter und seine Familie waren am Tag des Angriffs ebenfalls zum Unglücksort gekommen. Sie gaben sich als Besitzer des Hundes zu erkennen und tauschten mit der Verletzten Telefonnummern aus. "Sie haben sich entschuldigt und beteuert, wie leid ihnen der Vorfall tut. Und sie haben sich mehrmals nach dem Gesundheitszustand meiner Tochter erkundigt und einen hohen Zaun um ihr Grundstück gebaut", erzählt Rössler.
Die Angst und der Schock seien dennoch geblieben. "Stellen Sie sich vor, meine Tochter ist, wie viele Male zuvor, mit ihren kleinen Kindern unterwegs und sie werden vom Hund angegriffen."