Zum höchsten christlichen Festtag des Jahres – der Feier zu Auferstehung Christi – hielt das erste Mal Wiens neu geweihter Erzbischof Josef Gründwidl das Pontifikalamt im Steffl. Vor den zahlreich im Dom versammelten Gläubigern fand der gelernte Kirchenmusiker in seiner Predigt in schwierigen Zeiten den richtigen Ton:
Darin beschreibt er das Osterfest, das sowohl den Kreuztod, als auch die Auferstehung beinhaltet als Prozess, bei dem Zweifel dazugehören – genauso wie die Hoffnung, dass am Ende nicht das Böse siegt. "Das Gute ist stärker als das Böse, der Wille zum Frieden wird den Krieg überwinden," so der Bischof eindrücklich. Der Glaube konfrontiere uns eben auch mit Schmerz, Ungerechtigkeit, nicht dem Tod Jesu am Kreuze. "Wir blenden am Ostersonntag den Karfreitag nicht aus. Wir tun nicht so, als ob es Leid und Ungerechtigkeit, Krieg und Gewalt nicht gäbe. Ostern ist so gesehen eine Zumutung!"
Aber seit der Auferstehung Jesu mute uns der Glaube zu, das Kreuz nicht nur als Zeichen des Todes, sondern als Zeichen der Erlösung zu sehen. In seinen mit Bedacht gewählten Worten schlägt Wiens oberster Hirte dabei einen klaren Bogen zur Gegenwart: "Mitten im Krieg hoffen wir auf Frieden, wo Hass ist, bauen wir auf die Kraft der Liebe und im Tod hoffen wir auf das neue Leben – auch das gehört zu den Zumutungen von Ostern."
Osterfriede und Osterhoffnung sollen nun einziehen "in die Herzen aller Menschen, besonders bei denen, die leiden und verzweifelt sind, bei den Opfern von Gewalt, Ungerechtigkeit und Krieg", so der Erzbischof. Auch Überraschungen sind Teil von Ostern, wie etwa, dass das Grab Jesu leer war. "Ostern ist das Fest der Überraschungen Gottes. Gott ist immer für Überraschungen gut", so Grünwidl. "Osterfriede und Osterhoffnung sollen einziehen in die Herzen aller Menschen."
Seine Predigt beendete er mit einer Anekdote, die im Kirchenschiff für herzhafte Lacher sorgte: "Eine Bekannte hat mir erzählt, einer ihrer Verwandten hat sich immer als Atheist bezeichnet und war überzeugt, Gott existiert nicht. Als dieser Verwandte gestorben ist, hat sie ganz lapidar festgestellt: ,Na, der wird jetzt schauen!’"