Premiere im Stephansdom – und das bei Regen und heftigem Wind: Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl feierte seinen ersten Palmsonntag im Amt vor einer großen Festgemeinde. Wetterbedingt musste die traditionelle Prozession heuer kurzfristig in den Dom verlegt werden.
„Die Welt taumelt, die Zeiten haben sich geändert, das Klima ist rauer“Josef GrünwidlErzbischof Wien
Doch nicht nur das Wetter war Thema, sondern auch die Stimmung in der Welt. In seiner Predigt fand Grünwidl deutliche Worte: "Friede in Europa, Demokratie, Menschenrechte, Sicherheit – vieles ist fragwürdig und brüchig geworden. Die Welt taumelt, die Zeiten haben sich geändert, das Klima ist rauer."
Dabei meinte der Erzbischof nicht nur das Wetter. Er warnte auch vor einem raueren Umgangston in der Gesellschaft: "Aggressive, menschenverachtende, abwertende Worte schaffen Wirklichkeit. Der raue Ton verschiebt unsere Werteskala, kann rücksichtslos und gewaltbereit machen."
Gerade die Karwoche könne hier ein Gegengewicht sein. Sie zeige, wie sich das Zusammenleben zum Guten verändern kann – durch Werte wie Versöhnung und Gewaltlosigkeit.
Auch die Umstellung auf die Sommerzeit griff Grünwidl auf: Während der Körper sich bald an die Sommerzeit gewöhnt haben werde, so der Wiener Erzbischof, bräuchten wir "ein Leben lang, um unsere innere Uhr, unser Innerstes, unser Herz, immer wieder neu auf Osterzeit und Hoffnungszeit umzustellen". Diese Tage seien eine Einladung, "uns von der österlichen Dynamik der Hoffnung anstecken und erfassen zu lassen."
Trotz Regen und ernster Worte blieb der Grundton klar: Hoffnung ist möglich – auch in schwierigen Zeiten. Und selbst wenn draußen das Wetter nicht mitspielte. Im Stephansdom ging es am Palmsonntag vor allem um eines: neue Zuversicht.