"Wir sind wieder daheim." Mit diesen Worten feiert Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) die Rückkehr in den Wiener Stadttempel. Nach zehneinhalb Monaten Bauzeit wurde die Synagoge in der Seitenstettengasse am 9. September wiedereröffnet.
Der Zeitpunkt ist besonders: Der Stadttempel feiert heuer sein 200-jähriges Bestehen. Zudem erfolgte die Wiedereröffnung zwei Tage vor Beginn der Hohen Feiertage, des jüdischen Neujahrsfestes.
"Der Stadttempel war geschlossen, unser Gemeindeleben war es nie", so Deutsch. Die Wiedereröffnung sei der Republik Österreich, der Stadt Wien sowie Hunderten Spendern aus dem In- und Ausland zu verdanken.
Die Arbeiten wurden innerhalb der geplanten zehneinhalb Monate abgeschlossen. Insgesamt kostet die Restaurierung und Sanierung 10,5 Millionen Euro. Je ein Drittel übernehmen der Bund, die Stadt Wien und private Spender. Rund 95 Prozent der Gesamtkosten sind bereits finanziert.
Erneuert wurden unter anderem Sicherheits- und Brandschutzbereiche. Der Stadttempel wurde außerdem barrierefrei gemacht, die Eingangsbereiche wurden neu organisiert.
Historische Elemente kamen bei den Arbeiten wieder zum Vorschein. Unter der Bima, dem erhöhten Pult für die Lesung aus der Tora, der jüdischen Bibel, wurde etwa ein Boden aus Budapester Marmor freigelegt. Die Bima und weitere Oberflächen wurden originalgetreu adaptiert.
Der Stadttempel ist die größte Synagoge Österreichs und das spirituelle Zentrum der jüdischen Gemeinde in Wien. Er ist die einzige Wiener Synagoge, die die Novemberpogrome 1938 überstanden hat und bis heute durchgehend genutzt wird.
"Als einzige noch aktive Synagoge, die die Schoa überstanden hat, ist die Restaurierung symbolisch eine Investition in die Zukunft und das jüdische Leben in Wien und Österreich", sagt Oberrabbiner Jaron Engelmayer.
Zum 200. Geburtstag gibt es auch eine eigene Briefmarke der Österreichischen Post. Sie zeigt den Innenraum der Synagoge, kostet zwei Euro und erscheint in einer Auflage von 150.000 Stück.
Ab Winter 2026 sollen wieder Führungen angeboten werden. In weiteren Bauphasen sind die Sanierung des Gemeindezentrums und der Fassade geplant.