Drei Jahrzehnte lang gab Robert Rother sein Wissen an der renommierten Musikschule Wiener Neudorf (Bezirk Mödling) weiter. Seit 1996 war der Trompeter dort als Lehrer tätig, ab 2008 leitete er sogar jahrelang die Schule. Doch seit Juni ist der Musiker seinen Job los: Der Schulverband sprach die fristlose Entlassung aus – "Heute" berichtete.
Der Grund für den drastischen Schritt soll Rothers Konzerttätigkeit sein. Der Musiker ist seit 34 Jahren Teil der international erfolgreichen Gruppe "Mnozil Brass" und steht regelmäßig im Ausland auf der Bühne. Obwohl die Konzerttermine an die Schule angepasst wurden, überschnitten sich einzelne Auftritte laut Rother mit seinen Unterrichtsstunden.
In solchen Fällen verschob er die betroffenen Stunden und holte sie später nach. Diese Lösung sei jahrzehntelang mit der Musikschule abgestimmt gewesen und habe immer nur wenige Unterrichtseinheiten pro Schuljahr betroffen. "Schulen profitieren ja auch von aktiven Musikern, die lehren, was sie leben", sagt Rother im "Heute"-Gespräch.
Im September 2025 wurde die Musikschule Wiener Neudorf Teil des Gemeindeverbands der Musikschule [a due] zwischen Laxenburg und Biedermannsdorf. Danach habe sich die Situation laut Rother grundlegend verändert.
Vom einmal im September festgelegten Stundenplan habe er nicht mehr abweichen dürfen. Schließlich sei ihm vorgeworfen worden, seine Dienstpflichten missachtet und Unterrichtsstunden ohne Erlaubnis verschoben zu haben. Dabei hatte die flexible und abgestimmte Lösung über 30 Jahre lang gut funktioniert.
Seinen Spielvertrag mit "Mnozil Brass" könne er allerdings nicht so einfach brechen. Rother wird daher weiterhin Konzerte geben. Seine Stelle als Musiklehrer ist er jedoch vorerst los. "Die Situation ist ziemlich schirch", sagt der Trompeter gegenüber "Heute".
An der Musikschule sorgt die Entlassung für heftigen Widerstand. Sämtliche Lehrer forderten in einem offenen Brief, dass Rother weiter in Wiener Neudorf unterrichten darf. Auch Schüler und Eltern stellen sich hinter den langjährigen Musiklehrer.
Eine öffentliche Petition wurde bereits von 600 Menschen unterschrieben. Bei einem Flashmob vor der Musikschule demonstrierten zudem etwa 300 Teilnehmer gegen die Kündigung ihres beliebten Lehrers.
Der Musikschulverband [a due] widerspricht Teilen von Rothers Darstellung. Verbandsobmann David Berl, Bürgermeister von Laxenburg, erklärte gegenüber dem "Kurier", er dürfe sich zu internen Angelegenheiten und arbeitsrechtlichen Themen nicht näher äußern.
Einen Vorwurf wies Berl jedoch zurück: Es stimme nicht, dass Rother seine Konzerttätigkeit verboten worden sei. Die Musikschule arbeite qualitativ hochwertig und funktioniere, versicherte der Verbandsobmann.
Rother hat inzwischen einen Anwalt eingeschaltet und will gegen die fristlose Entlassung vorgehen. Ob der Trompeter doch noch ins Klassenzimmer zurückkehrt, ist offen.