Am Rande eines Treffens der Burschenschaft kam es in Leoben zu einem gewalttätigen Zwischenfall. Das Opfer war ein Taxifahrer, der mit Gästen der Veranstaltung aneinandergeraten war. Wie die APA berichtet, wird nun wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz und schwerer Körperverletzung ermittelt.
Ein entsprechender Bericht des Landesamts für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Steiermark steht noch aus. Neue Erkenntnisse erhofft man sich spätestens Ende Juli. Gegenüber dem "ORF Steiermark" bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Leoben den Bericht. Demnach sollen sich unter den Verdächtigen auch zwei führende Mitglieder der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) befinden.
Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf den 20. Juni. An jener Nacht soll sich der Taxifahrer geweigert haben, drei Burschenschafter zu chauffieren, nachdem rechtsextreme Parolen gefallen sein sollen – auch ein "Heil-Hitler"-Ruf soll gefallen sein. In weiterer Folge alarmierte der Taxler die Polizei, woraufhin die Burschenschafter die Flucht ergreifen wollten.
Als der Berufschauffeur dies verhindern wollte und die Verdächtigen verfolgte, kam es zum Angriff. Der Taxifahrer wurde gewürgt, zu Boden gebracht und mit Tritten attackiert. Einer der Verdächtigen – ein amtsbekanntes führendes Mitglied der IBÖ, welches vor kurzer Zeit noch für einen Parlamentsabgeordneten der FPÖ tätig war – wird von einer Zeugin belastet. Er soll ursprünglich gar nicht im Taxi gewesen sein, sondern soll seinen Kameraden und einem deutschen Rechtsextremen zu Hilfe geeilt sein.
Erst vor wenigen Wochen hatte die FPÖ das Dienstverhältnis mit ihm beendet. In einer Stellungnahme am Samstagabend wollten die Freiheitlichen nicht näher auf die Person des Verdächtigen eingehen. Weitere Informationen zu dem Mann stammen von der Recherche-Plattform "Stoppt die Rechten".
So soll der ehemalige FPÖ-Mitarbeiter früher an einer Störaktion gegen die Vienna Pride beteiligt gewesen sein. Zudem habe er Aufmärsche der Identitären organisiert und sei auch in einer führenden Rolle bei Demonstrationen gegen die Covid-Maßnahmen tätig gewesen.
Auch in einem anderen Fall soll es Ermittlungen gegen den Mann geben. Es geht um den Verdacht der Verhetzung. Anfang Juni soll er ein ausländerfeindliches Posting auf Instagram verbreitet haben. Bereits im Juni 2025 hatte die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) den Verdächtigen angezeigt, da er bei einem Begräbnis eines Burschenschafters anwesend war. Dort soll ein SS-Lied gesungen worden sein. Das Verfahren wurde inzwischen eingestellt.
Zwischen dem 19. und 21. Juni hatten Hunderte Korporierte aus Österreich und Deutschland an dem 40. Stiftungsfest der Burschenschaft Leder in Leoben teilgenommen. Für die Festrede sorgte der ausgeschlossene AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich. Er fiel bei seiner Fraktion aufgrund seiner rechtsextremen Ansichten in Ungnade. Der Ausschluss gegen ihn ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Seitens des Rektorats der Montanuniversität Leoben hatte man sich öffentlich von der Burschenschaft Leder und Helferich distanziert. Des Weiteren fand das Fest nicht in der Uni statt. Schlussendlich ging die Veranstaltung im Leobener Kongresszentrum über die Bühne. Auch zukünftig soll es an der Montanuniversität keine Events der Burschenschaft Leder geben.