Im Stich gelassen

Nach Horror-Brand – Wiener Paar landet auf der Straße

Am 24. Mai zerstörte ein Wohnungsbrand das Zuhause von Angela F. (55) und Franz K. (62). Seitdem schläft das Paar bei Freunden – oder sogar im Freien.
Christine Ziechert
17.07.2026, 05:30
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Am 24. Mai brach in der Mietwohnung von Franz K. (62) und seiner Lebensgefährtin Angela F. (55) in der Schlachthausgasse (Wien-Landstraße) ein Feuer aus – die 83 Quadratmeter große Altbauwohnung wurde vollständig zerstört, die beiden Wiener überlebten zum Glück – "Heute" berichtete.

Der 62-Jährige erinnert sich an die dramatischen Minuten in der Brandnacht: "Ich bin um 23.30 Uhr schlafen gegangen. Ich war gerade am Eindösen, da habe ich ein Knistern gehört und mich gefragt, was das ist. Dann hat es sich angehört, als würde Glas zerspringen."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen
Der Brand wütete in der Wohnung, Angela F. und Hund "Lucky" konnten zum Glück gerettet werden.
MA 68

"Hatte Angst, dass ich verbrenne"

Franz K. stand auf, das Licht funktionierte bereits nicht mehr: "Aus dem Arbeitszimmer sind die Flammen gelodert. Dann bin ich ins Stiegenhaus, auch dort hat das Licht nicht mehr funktioniert. Ich wollte wieder zurück in die Wohnung, aber alles war so stark verraucht, mir hat's sogar die Haare angesengt", berichtet Franz K.

Völlig nackt rannte der Wiener auf die Straße: "Ich habe einen Passanten aufgehalten, er hat den Notruf gewählt." Währenddessen verbarrikadierte sich seine Lebensgefährtin mit dem 14-jährigen Hund "Lucky" beim offenen Fenster im Schlafzimmer: "Ich habe mir Stoff vor den Mund gehalten und auch 'Lucky' in eine Decke eingewickelt. Es ist immer heißer geworden. Ich hatte Angst, dass ich verbrenne", erzählt sie.

Wohnung vollständig ausgebrannt

Doch die 55-Jährige hatte Glück: Das Feuer griff nicht auf das Schlafzimmer über, die Feuerwehr konnte sie und ihren Vierbeiner "Lucky" (Nomen est omen) retten. Sie und ihr Lebensgefährte mussten allerdings mit einer Rauchgasvergiftung ins Spital eingeliefert werden.

Der 14-jährige "Lucky" hatte großes Glück.
zVg

Der Schock für das Paar, das seit fünf Jahren verlobt ist und demnächst heiraten wollte, ist groß: Die Wohnung, in der Angela F. seit 40 Jahren lebte, ist vollständig ausgebrannt: "Es ist wirklich alles hin", meint Franz K.

Entladung als mögliche Brand-Ursache

Das Feuer zerstörte nicht nur den gesamten Besitz, auch rund 2.000 Euro Bargeld verbrannten. Nur der Reisepass von Angela F. blieb erhalten, weil er sich in ihrer Handtasche befand. Erst vor einigen Jahren hatten die beiden nach dem Tod von Angelas Mutter zwei Wohnungen zusammengelegt, komplett renoviert und etwa 15.000 Euro investiert.

Brandermittler des Landeskriminalamtes nahmen ihre Arbeit auf, laut LPD Wien sind die Erhebungen abgeschlossen und wurden der Staatsanwaltschaft Wien übermittelt. "Mangels Anfangsverdachts auf eine vorsätzliche Brandlegung wurde von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgesehen", erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Mögliche Ursachen könnten eine Entladung in einer Leitung am Gang, die auf die Wohnung übergriff, oder ein zum Laden angestecktes Handy sein.

"Sind mit unseren Kräften am Ende"

Seit dem Brand stehen Franz K. und Angela F. faktisch auf der Straße. Zunächst kam das Paar beim Sohn von Angela F. unter, doch aufgrund der kleinen Wohnung war dies keine Dauerlösung: "Seitdem pendeln wir hin und her, schlafen einmal da und einmal dort. Wir schauen, dass wir für ein, zwei Nächte bei Bekannten unterkommen, manchmal übernachten wir auch im Freien, zum Beispiel auf der Donauinsel."

Die Wiener – beide sind arbeitslos und gesundheitlich angeschlagen – hoffen nun auf eine Gemeindewohnung. "Wir sind mit unseren Kräften so ziemlich am Ende. Manchmal erwische ich mich beim Gedanken, ob es nicht besser gewesen wäre, im Feuer umzukommen", meint Franz K. Das Paar musste auch Kosten für die Räumung der Wohnung in der Höhe von 4.500 Euro übernehmen. Das Geld haben sie sich von einem Bekannten geliehen.

Kein Wohnticket für Wiener Paar

In der Hoffnung auf eine (Not)-Gemeindewohnung wandte sich das Paar am 1. Juni auch an die Wohnberatung Wien. Doch da kein begründeter Wohnbedarf besteht (Obdachlosigkeit ist kein begründeter Wohnbedarf, Anm.) erhielt das Paar kein Wohnticket. Der Fall liegt nun bei der Wohnungskommission, die Ende Juli darüber entscheiden wird.

Aufgrund von Obdachlosigkeit besteht kein begründeter Wohnbedarf.
Wohnberatung Wien

"Grundsätzlich ist die Wohnberatung Wien bei Wohnungsbränden oder vergleichbaren Notfällen nicht zuständig. In solchen Fällen empfehlen wir eine kostenlose mietrechtliche Beratung durch die MieterHilfe der Stadt Wien sowie die Inanspruchnahme kurzfristiger Unterstützungsangebote insbesondere beim Fonds Soziales Wien (FSW)", heißt es seitens der Wohnberatung Wien.

Kein Platz in Notquartieren

Franz K. und Angela F. wandten sich an den FSW: "Wir haben eine Sozialarbeiterin zur Seite gestellt bekommen, die uns auf unserem Weg hilft. Unterkunft ist momentan leider keine frei, wir stehen aber auf der Warteliste und wurden auf den Status sehr dringend gesetzt", so Franz K. Auch andere Notquartiere seien voll: "Wir rufen täglich an, aber ohne Erfolg. Laut den Unterkunftsleitern wird auch so schnell nichts frei."

Die ganze Hoffnung ruht nun auf der Wohnungskommission. Doch selbst wenn diese positiv entscheidet, kann es noch länger dauern, bis Franz K. und Angela F. eine Gemeindewohnung erhalten. "Wir stehen jetzt noch wochenlang auf der Straße, bis wir vielleicht eine Wohnung bekommen. Wir fühlen uns vom Staat komplett im Stich gelassen."

Kaution für Mietwohnung nicht leistbar

Eine neue private Mietwohnung kann sich das Paar zudem derzeit nicht leisten: "Wir verfügen monatlich gemeinsam über rund 2.400 Euro, Miete könnten wir also bezahlen. Aber die Kaution ist ein Problem", so Franz K. Das Sozialamt (MA 40) würde hier einspringen und die Kaution übernehmen – allerdings erst, wenn gesichert ist, dass das Paar keine Gemeindewohnung erhält.

Besonders bitter: Die Haushaltsversicherung verweigert die Leistung. Auf "Heute"-Nachfrage bestätigt das Unternehmen, dass zum Zeitpunkt des Brandes ein Prämienrückstand (rund 80 Euro) bestanden habe. "Die Prämie für das 2. Quartal war am 1. April 2026 fällig, der entsprechende Zahlungseingang erfolgte jedoch erst nach dem Brand am 5. Juni 2026. Auf Grundlage der vorliegenden Unterlagen und der vertraglichen Vereinbarungen bleibt die Leistungsablehnung aufrecht."

Wer Franz K. und Angela F. helfen möchte, vielleicht sogar eine kleine Wohnung zur Verfügung stellen kann: Mail an [email protected]!

{title && {title} } cz, {title && {title} } 17.07.2026, 05:30