Wien

"Mohren Apotheke" wird nach Shitstorm umbenannt

Jahrhundertelang nannte sich eine Arzneihandlung im 1. Bezirk "Mohren Apotheke". Jetzt verabschiedet sich die Inhaberin von dem umstrittenen Namen.

Isabella Kubicek
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Apothekerin Sassa Marosi mit den Black-Lives-Matter-Organisatorinnen Mireille Ngosso und Noomi Anyanwu (re.).
Apothekerin Sassa Marosi mit den Black-Lives-Matter-Organisatorinnen Mireille Ngosso und Noomi Anyanwu (re.).
Christian Ort

Ein Mann mit dunkler Hautfarbe, nur leicht bekleidet. Die in den Augen vieler respektlose Darstellung eines Menschen war jahrhundertelang hinter Glas neben der Eingangstür der "Mohren Apotheke" zu sehen. Dieses Bild gehört seit Mittwoch der Vergangenheit an. Stattdessen hängt in der Auslage nun eine Infotafel, die auf den Begriff "Mohr" eingeht, der bislang im großen Schaufenster hing. "Das war aber nur der erste Schritt", versichert Inhaberin Sassa Marosi. In einem nächsten soll auch der Name bald Geschichte sein. "Das wird allerdings Zeit brauchen, das ist ein organisatorischer und bürokratischer Aufwand", so die Inhaberin. Wie berichtet, forderte auch eine Petition die Umbenennung. 

Das diskriminierende Bild neben dem Eingang ist bereits verhüllt. Jetzt wird ein neuer Name gesucht.
Das diskriminierende Bild neben dem Eingang ist bereits verhüllt. Jetzt wird ein neuer Name gesucht.
Helmut Graf

Treffen mit "Black Lives Matter"-Initiatorin

Eine der ersten, die die Pharmazeutin von den Veränderungen persönlich informiert hat, war Mireille Ngosso. Wie berichtet, organisierte Ngosso die große "Black Lives Matter"-Demonstration mit 50.000 Teilnehmern mit. "Der Dialog war mir wichtig, denn ich unterstütze die Forderungen der Initiative", erklärt Marosi, die auch selbst an der Demonstration teilgenommen hatte.

"Veränderung ist möglich"

"Durch Gespräche kommen wir zusammen", freut sich Ngosso über die Initiative. Die Medizinerin ist SP-Bezirks-Vizechefin in der Inneren Stadt und geht mehrmals wöchentlich an der Apotheke vorbei. "Die Bezeichnung 'Mohr' ist seit Jahrhunderten in unserem Sprachgebrauch und negativ konnotiert. Mit diesem Wort werden Menschen einzig und allein auf ihre Hautfarbe reduziert und als unterwürfig angesehen", erklärt Ngosso ihren Ärger über die Bezeichnung. "Dass wir uns heute einigen konnten, zeigt, dass Veränderung möglich ist und dieses Gefühl ist überwältigend", sind sich Mireille Ngosso und Demo-Mitinitiatorin Noomi Anyanwu einig.