Die Ukraine hat Deutschland die Lieferung weitreichender Drohnen und Raketen angeboten. Hintergrund ist die Entscheidung der USA, vorerst keine Tomahawk-Marschflugkörper zur Abschreckung gegen Russland in Deutschland zu stationieren.
Die ukrainische Botschafterin bei der NATO in Brüssel, Alonya Getmantschuk, sagte der Zeitung "Welt", ihr Land könne NATO-Staaten künftig eigene Waffen und Erfahrungen anbieten. Dazu gehörten weitreichende Drohnen und Raketen für Präzisionsangriffe.
Die Diplomatin betonte, dass die Ukraine durch den russischen Angriffskrieg enorme Erfahrungen gesammelt habe. Das Land verfüge mittlerweile über "einzigartige Lösungen" – sowohl bei der Abwehr feindlicher Drohnen als auch bei Angriffen auf weit entfernte Ziele.
Die Ukraine könne laut Getmantschuk künftig sogar Fähigkeitslücken der NATO schließen. Gemeint seien genau jene Präzisionswaffen, die sich Europa ursprünglich von den USA erwartet hatte.
Die Ukraine entwickelt derzeit den Marschflugkörper FP-5 "Flamingo". Die Rakete soll laut Hersteller bis zu 3.000 Kilometer weit fliegen können – deutlich weiter als viele westliche Systeme. Produziert wird sie vom ukrainischen Rüstungsunternehmen Fire Point, das die Serienfertigung 2025 gestartet hat.
Laut Berichten sollen aktuell bereits mehrere Dutzend Stück pro Monat gebaut werden, langfristig ist sogar eine Produktion von bis zu sieben Raketen pro Tag geplant. Die Kosten pro Stück liegen Medienberichten zufolge bei rund 500.000 Dollar – und damit deutlich unter dem US-Tomahawk.
Weltpolitisch wäre das ein bemerkenswerter Rollenwechsel: Die Ukraine wäre nicht mehr nur Empfänger westlicher Waffen, sondern selbst Lieferant moderner Raketentechnik für Europa.
Während die USA bei manchen Waffensystemen wegen eigener Lagerbestände zurückhaltender werden, versucht Kiew nun, sich als neuer militärischer Partner der NATO zu positionieren.