Péter Magyar stellt in Ungarn die Weichen neu. Nach dem Wahlsieg der oppositionellen Tisza-Partei macht der künftige Regierungschef klar, wohin die Reise gehen soll. Er will Ungarn wieder näher an Europa heranführen – und langfristig auch in die Eurozone.
"Der Beitritt zur Eurozone liegt im Interesse Ungarns", sagte Magyar. Der Schritt würde aus seiner Sicht vor allem mehr Preisstabilität bringen. Auch die Ungarn litten zuletzt unter den massiven Preiserhöhungen. Der Forint verlor in den vergangenen Jahren deutlich an Wert, dazu kam eine Teuerung, die zeitweise zu den höchsten in der EU zählte.
Besonders heftig war die Lage Anfang 2023. Damals schoss die Inflation in Ungarn auf 25,7 Prozent hinauf, was einen Negativrekord in der EU bedeutete. Magyar gibt dafür klar Viktor Orbán die Schuld. Der langjährige Regierungschef habe mit seiner Politik dazu beigetragen, dass das Leben für viele Menschen immer teurer wurde.
Der Euro gilt in Ungarn als deutlich beliebter, als es Orbáns jahrelange Anti-EU-Linie vermuten ließ. Viele hoffen auf mehr Sicherheit bei Preisen, Krediten und Ersparnissen.
Doch der Weg zur Gemeinschaftswährung ist lang. Ungarn erfüllt die Maastricht-Kriterien derzeit noch nicht. Dabei geht es unter anderem um Inflation, Staatsfinanzen, Schuldenstand und stabile Wechselkurse. Dazu kommt: Das Land ist noch nicht einmal im Wechselkursmechanismus ERM II. Dort müsste Ungarn mindestens zwei Jahre lang mitmachen, bevor ein Euro-Beitritt überhaupt möglich wäre.
Selbst wenn Magyar also sofort Tempo macht, ist die Einführung des Euros keine Frage von Wochen oder Monaten. Ein Start vor dem nächsten Jahrzehnt gilt als kaum realistisch. Als möglicher Zielkorridor werden 2030 oder 2031 genannt.