"Ich war in dieser Zeit keine Sekunde nüchtern", spricht Wagner ehrlich über seinen Zustand vor fünf Jahren. Eine Alkoholsucht sorgte dafür, dass er sich jahrelang nicht wie er selbst fühlte. Heute hat der gebürtige Villacher einen neuen Blick auf sein Leben, hat das Buch "Trocken" über seine Krankheit und den Heilungsprozess geschrieben.
„Ich habe rund um die vier Promille gebraucht, damit ich mich lebensfähig fühlte“Daniel Wagnerist seit fünf Jahren nüchtern
"Ich war schon immer etwas zu begeistert vom Alkohol, auch in jungen Jahren. Es hat mir einfach geholfen, im Umgang mit mir selbst und der Welt", erinnert sich Wagner. Der Weg in die Sucht war ein schleichender Prozess. "Als meine Mutter todkrank wurde, war das der Punkt, an dem es kippte. Da habe ich beschlossen, dass ich mich von der Realität entfernen und mich betrinken möchte", erzählt der heute 36-Jährige.
Der Alkoholrausch war von da an ein Dauerzustand. "Etwa fünf Jahre war es problematisch, bis es dann krank wurde. Ich war dann drei, vier Jahre schwer alkoholkrank." Als Erstes gab es morgens stets Rotwein oder Bier. "Man steht auf und fängt an zu trinken", erinnert er sich im Gespräch mit "Heute".
"Ich habe rund vier Promille gebraucht, um mich lebensfähig zu fühlen“, spricht er offen über seine Erfahrungen. Der ganze Tag drehte sich darum, Alkohol zu beschaffen, zu trinken und zu verstecken. "Das ist ein unheimlicher Stress", so Wagner.
Mit einem Schlag wurde Wagner klar: So konnte es nicht weitergehen. Nach einem Suizidversuch erkannte er: "Es war nicht meine Entscheidung, mich umzubringen oder mich ständig zu betrinken. Das war alles fremdbestimmt."
Schritt für Schritt suchte er sich Hilfe – auch in einem Suchtkrankenhaus. "Das war der erste Weg in die Trockenheit." Mittlerweile ist für ihn klar: "Ich muss mir Alkohol nicht mehr verbieten, ich will einfach nicht mehr trinken."
Das Schreiben war schon lange eine Leidenschaft von Wagner. In seinem Buch "Trocken", das er über seine Erfahrungen und den Weg aus der Alkoholsucht verfasst hat, integrierte er auch Tagebucheinträge. Damit möchte er unter anderem Menschen helfen, mehr Verständnis für das Thema aufzubringen.
Selbst sein engstes Umfeld erfuhr erst durch das Buch, wie stark seine Sucht tatsächlich war. "Ich werde gerne verstanden – und dazu trägt das Buch sehr bei", sagt der 36-Jährige und zeigt sich dankbar, es geschrieben zu haben.
Dass Alkohol mittlerweile so gesellschaftsfähig geworden ist, sieht er als besonders problematisch. Hier müsse man noch an einigen Stellschrauben drehen, findet Wagner.