Der Fall einer deutschen Maklerin sorgt für schwere Vorwürfe gegen die zyprische Justiz. Ewa K. (51) aus Aschaffenburg sitzt seit 7. Juli 2024 in Untersuchungshaft, wie "Bild" berichtet. Verhaftet wurde sie demnach am Flughafen, nachdem sie im Norden Zyperns eine Wohnung gekauft und Immobilien vermarktet hatte.
Der Deutschen wird vorgeworfen, Immobiliengeschäfte mit Objekten abgewickelt zu haben, die auf umstrittenen Grundstücken im türkisch kontrollierten Norden der Insel stehen. Hintergrund sind Eigentumsansprüche griechisch-zyprischer Besitzer seit der Teilung Zyperns im Jahr 1974.
Ewa K. bestreitet, von möglichen strafrechtlichen Folgen gewusst zu haben. Nach ihrer Darstellung wurden ihr bei der Festnahme Handy und Pass abgenommen. Dolmetscher und Anwalt seien ihr zunächst verweigert worden. Ihr drohen laut den vorliegenden Angaben bis zu sieben Jahre Haft.
Aus dem Zentralgefängnis in Nikosia schildert die 51-Jährige belastende Zustände. "Ich werde wie eine Schwerkriminelle behandelt, ohne dass die Unschuldsvermutung gilt", schreibt Ewa K.
Besonders schwer wiegen ihre Vorwürfe zu Kontrollen nach Gerichtsterminen. Jedes Mal, wenn sie ins Gefängnis zurückkomme, müsse sie sich komplett ausziehen. Ihr Körper und ihre Kleidung würden nach Drogen durchsucht. Manchmal seien auch Spürhunde eingesetzt worden, die sie beschnüffelt hätten.
Nach ihrer Darstellung sei sie zudem bis zu sechs Tage in der Zelle eingeschlossen worden – ohne Außenkontakt. Auch Medikamente seien ihr verweigert worden. Zusätzlich berichtet sie von Schikanen durch Wachpersonal und Mithäftlinge.
Ein besonders drastischer Vorwurf betrifft das Essen: In einem Essensbehälter habe sich neben der Mahlzeit auch "der abgeschnittene und gekochte Kopf einer Maus" befunden.
Auch die deutsche Botschaft ist in den Fall eingeschaltet. Sie soll in einer ungewöhnlich scharfen Verbalnote protestiert haben. Darin sei auf mögliche Menschenrechtsverletzungen im Fall Ewa K. verwiesen worden. Gefordert worden sei ihre "unverzügliche" Entlassung aus der Untersuchungshaft gegen geeignete Auflagen.
Nach Angaben ihres Verteidigers Soteris Argyrou gab es bereits mehr als 100 Verhandlungstage. Zu den Vorwürfen habe sich Ewa K. vor Gericht dennoch nicht äußern dürfen. Der Anwalt ist von der Unschuld seiner Mandantin überzeugt: "Dieser Fall wird vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte landen."
Zuletzt lehnte das Gericht zum fünften Mal ab, Ewa K. gegen Kaution freizulassen. Als Grund für die Untersuchungshaft gilt demnach unter anderem Fluchtgefahr, weil die Deutsche ihren Lebensmittelpunkt nicht auf Zypern hat. Die zuständige Generalstaatsanwaltschaft äußerte sich auf Anfrage der Zeitung bislang nicht.
Der Fall fällt in eine politisch und juristisch heikle Lage. Sowohl die deutsche Botschaft als auch der Immobilienverband Deutschland warnen inzwischen vor Immobiliengeschäften in Nordzypern.
Für Ewa K. kommt diese Warnung zu spät. Sie sitzt weiter in Untersuchungshaft – und kämpft gegen den Vorwurf, sie habe mit verbotenen Immobiliengeschäften zu tun gehabt.