Am Sonntagabend kam es bei der offiziellen Gedenkveranstaltung der Stadt Mödling zum 87. Jahrestag des Novemberpogroms zu einem schockierenden Zwischenfall. Während der Rede des 91-jährigen Altbürgermeisters Werner Burg beim Denkmal der ehemaligen Synagoge wurde aus einer nahegelegenen Wohnung plötzlich eine Rede Adolf Hitlers lautstark abgespielt.
Rund 50 Anwesende – darunter Bürgermeisterin Silvia Drechsler, Stadt- und Gemeinderäte, Gäste und Zeitzeugen – reagierten fassungslos. Wie der "Kurier" berichtet, war die Hitler-Rede zwei bis drei Minuten lang deutlich hörbar.
Laut SPÖ-Stadtrat Stephan Schimanowa sei dies ein "klassischer Fall von NS-Wiederbetätigung" gewesen. Er gehe von einer gezielten Störaktion aus. "Spätestens heute hat sich gezeigt, dass die Nazis zurück sind", so das Urteil des Stadtrats. Gleichzeitig wurde aber betont, dass man als Stadt dagegenhalten will.
Dies unterstrich auch Bürgermeisterin Drechsler. Sie kündigte an, den Vorfall zur Anzeige zu bringen. Der oder die Verantwortlichen sollen ausgeforscht und zur Rechenschaft gezogen werden, hieß es weiter.
Trotz des Vorfalls wurde die Veranstaltung fortgesetzt. Dabei wurden die Namen der Mödlinger Opfer des Nationalsozialismus verlesen, derer nun mit sogenannten Stolpersteinen gedacht wird. Diese Gedenksteine im Straßenpflaster erinnern an die Menschen, die während der Shoah verfolgt, deportiert und ermordet wurden.