Was wie ein absurder Plot aus einer TV-Serie klingt, sorgt in Deutschland gerade für hitzige Debatten. Marla-Svenja Liebich, früher als Sven Liebich bekannt, wurde 2023 zu einer 18 Monate langen Freiheitsstrafe verurteilt. Damals identifizierte sich der Neonazi noch als Mann, ein Jahr später stellte er den Antrag auf Änderung seines Geschlechtseintrags. Nun soll Liebich die Gefängnisstrafe in einem Frauenknast verbüßen.
Liebich war seit den 90er Jahren Anführer der rechtsextremen Bewegung "Blood and Honour" und bis 2023 Betreiber des Hetzblogs "Halle Leaks". 2023 wurde er vom Zwangsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Nun geht Liebich ins Gefängnis - und zwar in die Frauen-Justizvollzugsanstalt Chemnitz.
Das liegt am deutschen Gesetz: Das Selbstbestimmungsgesetz soll trans- und intersexuellen Menschen das Leben erleichtern, weshalb jede Person ab 14 Jahren den eigenen Geschlechtseintrag durch einfache Erklärung ändern kann. Im Jahr 2024 machte der Verurteilte Gebrauch von dem Passus und reichte einen Antrag auf Änderung des Geschlechts ein, ebenso wie zur Änderung des offiziellen Namen. Von nun an war der gebürtige Mann eine Frau und hieß Marla-Svenja.
Besonders brisant macht die Änderung, dass Liebich seit langem als lautstarker Feind der LGBTQ-Community bekannt war. Zum Pride-Monat 2022 veröffentlichte er eine brennende Regenbogenflagge mit der Überschrift: "Endlich werden die marginalisierten Alphabet-Menschen wieder sichtbar gemacht, denn in den verbleibenden elf Monaten des Jahres wird sich alles darum drehen, sie sichtbar zu machen. Passt gut auf euch auf und holt euch bei euren spontanen Begegnungen auf Grindr auf der Bahnhofstoilette keine Affenpocken."
Basierend auf der Vergangenheit der Verurteilten, stieß die Einweisung in die Frauen-Justizvollzugsanstalt Chemnitz auf Entsetzen. Einige kamen zu dem Entschluss, dass sie durch die Geschlechtsänderung die Haftbedingungen beeinflussen wollte und leichtere Haftbedingungen anstrebte. Deutsche Politiker wie Christian Dürr (FDP-Chef), Carmen Wegge (SPD) und Valerie Wilms (Bündnis 90/Die Grünen) sprachen sich öffentlich gegen eine Verlegung von Liebich in den Frauenknast aus.