Jüdische Teilnehmer bedroht

Neonazi-Angriff auf Sommercamp – Österreicher betroffen

Mit Hitlergrüßen und NS-Parolen versuchten Neonazis, ein jüdisches Sommercamp mit 200 Kindern und Jugendlichen in Bulgarien zu stürmen.
Nick Wolfinger
06.08.2026, 17:13
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Bei einem Sommercamp des internationalen jüdischen Jugendverbands Bnei Akiva in Bulgarien ist es zu einem schwerwiegenden antisemitischen Vorfall gekommen. Eine Gruppe bulgarischer Neonazis versuchte, in das Hotelgebäude einzudringen.

In der Nacht auf Montag, gegen 3.00 Uhr früh, riefen sie NS-Parolen wie "Sieg Heil", "Heil Hitler" und zeigten mehrfach den Hitlergruß, wie Videos von Betroffenen zeigen.

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Besonders empörend ist die verharmlosende Reaktion der Behörden. Der Bürgermeister spielte den Vorfall als "gewöhnliche Auseinandersetzung unter Jugendlichen" herunter und wollte den international bekannten Ski-Ort "nicht in ein schlechtes Licht rücken" lassen, berichtet dw.com. Auch die Polizei hat den Vorfall laut dem Bericht gar nicht erst protokolliert.

In dem Hotel waren laut Israelitischer Kultusgemeinde (IKG) rund 200 jüdische Kinder und Jugendliche aus mehreren europäischen Ländern, Israel und den USA untergebracht – darunter auch zwölf Teilnehmer aus Österreich, wie IKG-Präsident Oskar Deutsch am Donnerstag bekanntgab. Veranstaltet wurde das Sommercamp vom internationalen jüdischen Jugendverband Bnei Akiva.

Neonazis kehrten in größerer Zahl zurück

Nachdem die Polizei zum ersten Mal eingeschritten war, zog sich die Gruppe zunächst zurück. Später kehrten die jungen Männer "nach etwa einer halben Stunde" zurück, wie drei Jugendliche aus Mailand der "Corriere della Sera" erzählte. Sieben oder acht seien es nun gewesen. Erneut blockierten sie die Eingänge des Hotels und riefen NS-Parolen und Drohungen. Da die Polizei bereits abgezogen war, riet ihnen das Rezeptionspersonal, sich einzuschließen.

Viele Kinder hatten Angst, waren in Panik, weinten oder riefen ihre Eltern an, so die Betroffenen über die Stunden der Angst. Die Polizei, die ihnen zunächst nicht geglaubt hatte, sei schließlich zurückgekehrt und bis zur Abreise vor Ort geblieben. "Sie waren sehr hilfsbereit", zeigten sich die Jugendlichen laut der italienischen Zeitung dankbar.

Für Bürgermeister "alltägliche Situation"

Der bulgarische Oppositionspolitiker und ehemalige Außenminister Georg Georgiev zeigte sich schockiert. Die bulgarische Politik sei erst durch internationale Medienberichte auf den Vorfall aufmerksam geworden, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur BGNES. Er hinterfragte auch, warum die Reaktion des Außenministeriums "erst heute, Tage später" erfolgte.

Laut Banskos Bürgermeister Stoycho Banenski handelt es sich um "einen gewöhnlichen Fall von verbalen Auseinandersetzungen unter Jugendlichen". Er betonte, er würde nicht zulassen, dass "jemand von irgendwoher das Thema aufgreift und Bansko in ein schlechtes Licht rückt". Für ihn sei dies "eine alltägliche Situation", der nicht so viel mediale Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, wird er von der "Deutschen Welle" zitiert.

Der Betreiber des Hotels, in dem die Kinder und Jugendlichen untergebracht waren, verwies auf angebliches Fehlverhalten der Camp-Teilnehmer. Diese hätten während ihres Aufenthalts wiederholt Lärm gemacht und Gegenstände von Balkonen geworfen.

Politik fordert Aufklärung

Das bulgarische Außenministerium bezeichnete den Vorfall als "inakzeptabel" und verurteilte jede Form des Antisemitismus. Österreichs Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) sprach von "zutiefst besorgniserregenden" Berichten und forderte eine lückenlose Aufklärung. "Jüdisches Leben muss überall in Europa sicher und selbstverständlich möglich sein", betonte Pröll.

Nikolay Galabov von der Zionistischen Föderation Bulgariens stellte jedoch klar, dass selbst mögliche Konflikte das Verhalten der Angreifer nicht rechtfertigten: Sollte es Probleme mit dem Verhalten der Jugendlichen gegeben haben, gebe es dafür angemessene Wege.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 06.08.2026, 17:38, 06.08.2026, 17:13