Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hätte kaum eindeutiger ausfallen können – und fördert nun trotzdem eine verzwickte Situation zutage. Der letzten Hochrechnung von 22.22 Uhr zufolge kommt die rechtsextreme AfD auf 44,0 Prozent. Dahinter folgt die CDU abgeschlagen mit 17,5 Prozent. Die SPD kommt auf 9,2 Prozent, die Linke auf 8,6 Prozent und die Grünen auf 8,9 Prozent.
Besonders spannend ist das Abschneiden des BSW. Die Partei liegt laut Hochrechnung bei 5,1 Prozent und würde damit hauchdünn in den Landtag einziehen. Genau diese 0,2 Prozentpunkte könnten bei der Sitzverteilung noch entscheidend werden.
Für eine absolute Mehrheit reicht es der AfD mit 39 Sitzen nach aktuellem Stand nicht, dafür wären 42 notwendig. Und ein möglicher Koalitionspartner ist ebenfalls nicht in Sicht. Einzige realistische Option aktuell ist eine AfD-Alleinregierung, die vom Bündnis Sahra Wagenknecht geduldet wird. Dieses liegt aber exakt über der Fünf-Prozent-Hürde, könnte also den Einzug auch noch knapp verpassen.
Schafft das BSW hingegen den Einzug, hätte ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen dann nicht einmal mit den Stimmen der Linken eine Mehrheit. Eine Koalition gegen die AfD wäre dann nur durch eine irre Querfront dieser Parteien mit dem BSW möglich.
Damit könnte ausgerechnet das BSW auch bei der Wahl des nächsten Ministerpräsidenten eine Schlüsselrolle spielen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte vor der Wahl erklärt, nur mit einer absoluten Mehrheit selbst Regierungschef werden zu wollen.
Wenige Stunden nach der Wahl klingt das bereits etwas anders. Eine Koalition schließt der Wahlsieger nun nicht mehr explizit aus, stellt dafür eine Zusammenarbeit mit einzelnen BSW- oder CDU-Abgeordneten in den Raum. Notfalls scheue sich Siegmund auch nicht vor Neuwahlen. "Dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent."
Der "deutsche Peter Filzmaier" heißt Karl-Rudolf Korte und sagte in der "ZiB 2", dass die amtierende Regierung klar abgewählt wurde. Die AfD schaffe es mit einer ordentlichen Portion "Ost-Trotzigkeit" und dem Motto "Wir gegen die anderen" immer mehr Wähler anzusprechen. Er hält aktuell eine Minderheitenregierung am realistischsten. Allerdings könne auch kreativ-experimentell eine neue Mehrheit entstehen.
Bundesweit wird die AfD im Ergebnis einen Etappensieg sehen. Dass eine in Teilen radikale Partei ein solches Ergebnis einfährt, "verletzt ein Stück weit die Staatsräson der Bundesrepublik". Die Stabilität der Bundesrepublik beginne zu wanken, trotzdem stehe ein Personalwechsel in der Bundespolitik nicht zur Debatte. "Ich rechne mit einem Durchwurschteln."