Claude.ai-Falle

Neue KI-Masche hebelt selbst Sicherheitsregeln aus

Neue Angriffe zeigen: Selbst echte KI-Webseiten können zur Falle werden. Bewährte Sicherheitsregeln reichen plötzlich nicht mehr aus.
Digital  Heute
22.07.2026, 13:42
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Viele Internetnutzer glauben, sie seien auf der sicheren Seite, wenn sie die Webadresse genau prüfen, auf das Schloss-Symbol im Browser achten und nur bekannte Webseiten besuchen. Genau dieses Vertrauen nutzen Cyberkriminelle inzwischen gezielt aus. Eine neue Analyse von TrendAI, dem Enterprise-Cybersecurity-Bereich von Trend Micro, zeigt eine Angriffsmethode, bei der klassische Warnzeichen praktisch vollständig fehlen.

Die Forscher beobachteten über einen Zeitraum von sieben Wochen eine gezielte Kampagne, bei der Angreifer bezahlte Google-Anzeigen für Suchanfragen nach bekannten KI-Diensten wie Claude, ChatGPT und Cursor schalteten. Wer auf eine solche Anzeige klickte, wurde jedoch nicht auf eine gefälschte Internetseite oder eine klassische Phishing-Webseite weitergeleitet. Stattdessen landeten die Nutzer auf einer echten Seite von Claude.ai.

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Gerade das machte den Angriff besonders schwer zu erkennen. Die Täter mussten keine täuschend echt aussehenden Kopien bekannter Webseiten erstellen und auch keine verdächtigen Internetadressen registrieren. Stattdessen missbrauchten sie eine vorhandene Funktion der KI-Plattform von Anthropic. Über die Sharing-Funktion veröffentlichten sie gefälschte Support-Anleitungen, die auf den ersten Blick glaubwürdig wirkten.

Ein einziger Befehl genügte

Wer den Anweisungen folgte, sollte lediglich einen einzelnen Terminal-Befehl ausführen. Dahinter verbarg sich jedoch Schadsoftware, die unbemerkt auf dem Computer installiert wurde. Laut TrendAI war die Malware in der Lage, Passwörter, Browser-Daten sowie Krypto-Wallets zu stehlen.

Besonders problematisch sei dabei, dass der gesamte Angriff auf einer legitimen Infrastruktur stattfand. Weder eine verdächtige Domain noch ein fehlendes Sicherheitszertifikat oder eine offensichtlich gefälschte Webseite hätten auf den Betrug hingewiesen. Viele Schutzmechanismen, auf die Unternehmen und Privatpersonen bislang vertrauen, konnten deshalb keine Warnsignale erkennen.

Die Kampagne richtete sich außerdem gezielt an technisch versierte Nutzer. Gerade Menschen mit IT-Kenntnissen gelten normalerweise als deutlich weniger anfällig für klassische Methoden des Social Engineerings. Die Täter passten ihre Strategie offenbar genau an diese Zielgruppe an.

Mehr als 100 bösartige Hostnamen entdeckt

Während der Untersuchung dokumentierten die Sicherheitsforscher insgesamt sechs unterschiedliche Angriffswellen. Dabei identifizierten sie mehr als 100 bösartige Hostnamen. Besonders stark betroffen war die Region Asien-Pazifik. Allein Taiwan machte nach Angaben der Analyse nahezu ein Drittel des gesamten Opfer-Traffics aus.

Nachdem TrendAI seine Erkenntnisse an Anthropic weitergegeben hatte, entfernte das Unternehmen die schädlichen Inhalte von der Plattform. Für Fyodor Yarochkin, Senior Researcher bei TrendAI, liegt der entscheidende Punkt nicht in besonders ausgefeilter Technik, sondern im Missbrauch des Vertrauens der Nutzer.

"Gezielte Ausnutzung von Vertrauen"

"Was diese Kampagne erfolgreich machte, war nicht technische Raffinesse. Es war die gezielte Ausnutzung von Vertrauen. Die Angreifer mussten keine überzeugenden Fälschungen erstellen, weil sie einen Weg fanden, ihre Anweisungen auf der echten Plattform zu hosten. Sobald sich der Köder auf einer legitimen Domain mit gültigem Zertifikat befindet, haben die meisten der Schutzmechanismen, auf die wir uns verlassen, schlicht keine Anhaltspunkte mehr."

Seine Einschätzung macht deutlich, warum viele bisherige Sicherheitsregeln in solchen Fällen kaum noch helfen. Wer ausschließlich darauf achtet, ob eine Internetadresse echt aussieht oder die Verbindung verschlüsselt ist, erkennt diese Art von Angriff möglicherweise gar nicht.

Experten sehen keinen Einzelfall

Auch Ryan Flores, Director of Technology Research, Forward-Looking Threat Research bei TrendAI, geht davon aus, dass es sich nicht um eine einmalige Aktion handelt. Seiner Ansicht nach sollten alle Anbieter von KI-Plattformen mit Funktionen zum Teilen oder Veröffentlichen von Inhalten den Vorfall genau analysieren.

"Jede KI-Plattform mit einer Sharing- oder Publishing-Funktion sollte sich diesen Fall genau ansehen. Die Angreifer testeten über sieben Wochen sechs verschiedene Marken-Köder, analysierten, was funktionierte, und optimierten ihren Ansatz in Echtzeit. Das war kein Einzelfall. Es war ein Optimierungszyklus und das Angriffsrezept hat sich nun als wirksam erwiesen."

Die Aussagen der Forscher deuten darauf hin, dass Cyberkriminelle ihre Methoden zunehmend an neue Online-Dienste anpassen. Anstatt gefälschte Webseiten zu bauen, nutzen sie immer häufiger Funktionen etablierter Plattformen aus und profitieren vom Vertrauen, das Nutzer bekannten Marken entgegenbringen.

Die Untersuchung zeigt damit auch eine Entwicklung, die viele Sicherheitskonzepte vor neue Herausforderungen stellt. Wenn schädliche Inhalte direkt auf seriösen Plattformen erscheinen und über echte Internetadressen verbreitet werden, reichen klassische Hinweise wie das Schloss-Symbol oder eine bekannte Domain allein nicht mehr aus, um einen Angriff zuverlässig zu erkennen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.07.2026, 13:42
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