Wien vergibt Gemeindewohnungen und geförderte Wohnungen seit dieser Woche nach einem neuen System. Ein gemeinsames Wiener Wohn-Ticket und ein Bonuspunkte-Modell sollen die Vergabe transparenter und stärker an der persönlichen Wohnsituation ausrichten. Je nach Lebenslage gibt es Punkte – etwa bei Überbelag, hohen Wohnkosten, Pflegebedarf, Trennung oder langer Wartezeit.
Die ersten Zahlen zeigen großes Interesse: Mehr als 38.500 Haushalte haben sich bereits registriert, rund 32.500 Wohnanträge wurden eingebracht und mehr als 13.500 Wohn-Tickets ausgestellt.
Die Opposition sieht das neue System allerdings kritisch. Georg Prack, Wohnsprecher der Grünen Wien, hält die neue Vergabe zwar für einfacher und nachvollziehbarer, sieht das eigentliche Problem aber beim fehlenden Wohnbau.
"Die Wohnungsvergabe Neu ist grundsätzlich einfacher und nachvollziehbarer gestaltet, allerdings werden in Wien viel zu wenige leistbare Wohnungen gebaut. Bei so wenig Gemeindebauten und gemeinnützigen Wohnbauten wie aktuell errichtet werden, droht ein massiver Wohnungsmangel", so Prack.
Die Bewilligungszahlen für geförderte Wohnungen würden laut den Grünen in den vergangenen sechs Jahren bei weniger als der Hälfte des langjährigen Durchschnitts liegen. Neue Gemeindewohnungen könnten zudem nur rund zwei Prozent des jährlichen Wohnbedarfs abdecken.
"Die Stadt Wien hat dringenden Aufholbedarf beim Bau von leistbaren Wohnungen. Wenn das nicht passiert, droht die Wohnungsvergabe Neu zum Instrument der Mangelverwaltung zu werden", warnt Prack.
Auch die FPÖ spricht von einer "Mangelverwaltung statt echter Wohnbaupolitik". Parteichef Dominik Nepp kritisiert vor allem, dass die Staatsbürgerschaft kein entscheidendes Vergabekriterium ist. Geförderter Wohnraum müsse aus Sicht der FPÖ "in erster Linie österreichischen Staatsbürgern zugutekommen".
Gleichzeitig bezeichnet Nepp das neue Punktesystem als kompliziert: "Die rot-pinke Stadtregierung verwaltet mit einem komplizierten Punktesystem lediglich den Mangel, den sie durch ihre verfehlte Wohnbaupolitik selbst mitverursacht hat." Die FPÖ warnt außerdem davor, dass die verpflichtende Neuregistrierung und das Einbringen von Nachweisen für ältere Menschen zu einer zusätzlichen digitalen Hürde werden könnten.
Die Stadt Wien hält dagegen: Das neue System soll unterschiedliche Lebenssituationen besser berücksichtigen und jene Menschen stärker unterstützen, die besonders dringend Wohnraum benötigen. Der Wien-Bonus für langjährige Wiener bleibt ebenfalls bestehen.
Für Fragen rund um Registrierung, Wiener Wohn-Ticket und Wohnungssuche ist die Wohnberatung Wien die zentrale Anlaufstelle. Besonders vulnerable Personengruppen werden bei Registrierung, Wohnungssuche und Vergabe unterstützt.