Der Wirbel um die abgesagte Veranstaltung mit Danielle Spera (69) wird immer größer. Jetzt schaltet sich auch Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), ein. Seine Reaktion fällt deutlich aus.
Wie berichtet, hätte die frühere Direktorin des Jüdischen Museums Wien und Ex-ORF-Moderatorin im Österreichischen Journalisten Club (ÖJC) auftreten sollen. Daraus wird nichts. Der ÖJC sagte die Veranstaltung ab und begründete den Schritt mit Sicherheitsbedenken.
"Wir können leider nicht die Sicherheit von Frau Spera gewährleisten und fürchten auch aufgrund ähnlicher Ereignisse in der Vergangenheit tumultartige Störaktionen", hieß es in einer Mail an Spera.
Für Deutsch ist diese Begründung nicht hinnehmbar. "Eine jüdische Autorin kann im ÖJC keine Präsentation abhalten, weil sie Jüdin ist und weil es ein jüdisches Thema ist", fasst der IKG-Präsident die Situation in einem Posting aus seiner Sicht zusammen.
Die Kultusgemeinde habe daraufhin selbst Kontakt mit dem ÖJC aufgenommen. Laut Deutsch bestätigte der Club dabei die Sicherheitsbedenken.
Besonders brisant: Nach Darstellung des IKG-Präsidenten verwies der Präsident des ÖJC in dem Gespräch auf die derzeit "polarisierte" Stimmung und dabei insbesondere auf Aussagen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen in New York. Deutsch wollte daraufhin wissen, ob das bedeute, dass Juden unter den derzeitigen "Umständen" im ÖJC nicht auftreten könnten. Diese Frage sei laut seiner Schilderung bestätigt worden.
Für den IKG-Präsidenten geht die Angelegenheit damit weit über eine einzelne abgesagte Veranstaltung hinaus: "Das ist keine Absage mehr. Das ist eine Auskunft über den Zustand dieses Landes", schreibt Deutsch.
Er stellt zudem die Frage, von wem bei einer Veranstaltung über jüdische Frauen in Wien "tumultartige Störaktionen" zu erwarten seien. Seine Befürchtung: "So werden Jüdinnen und Juden zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Das ist nicht tragbar!"
Doch die Absage des ÖJC soll nicht das letzte Wort sein. Deutsch hat nach eigenen Angaben bereits mit Spera telefoniert und kündigt an: "Die Veranstaltung wird stattfinden!"
Spera werde das Buch jedenfalls präsentieren, allerdings an einem anderen Ort. Wo und wann die Veranstaltung stattfinden soll, gab Deutsch zunächst nicht bekannt.
Bei dem Buch handelt es sich um "Mut - Über 36 bedeutende jüdische Frauen", das Spera gemeinsam mit der 99-jährigen Psychoanalytikerin und Zeitzeugin Erika Freeman geschrieben hat.
Darin beschäftigen sich die beiden mit jüdischen Frauen aus Geschichte und Gegenwart - von biblischen Figuren über die Physikerin Lise Meitner und die Philosophin Hannah Arendt bis hin zu Schauspielerin Gal Gadot.