Dark AI geht um

Neuer Betrug echt wie nie – und kaum noch zu erkennen

Gefälschte Stimmen, täuschend echte Nachrichten und neue Tricks: Künstliche Intelligenz verändert laut Experten die Welt des Online-Betrugs.
Rene Findenig
22.06.2026, 13:38
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Wer eine verdächtige E-Mail früher oft schon an schlechten Formulierungen oder offensichtlichen Fehlern erkannte, könnte künftig deutlich größere Schwierigkeiten haben. Laut einer aktuellen Analyse des Cybersecurity-Unternehmens Panda Security verändert sogenannte "Dark AI" die Methoden von Online-Betrügern grundlegend. Gemeint ist künstliche Intelligenz, die gezielt für kriminelle Zwecke eingesetzt oder missbraucht wird. Die Folge: Betrugsversuche werden glaubwürdiger, professioneller und für viele Menschen schwerer zu durchschauen.

Die Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur IT-Experten oder große Unternehmen. Nach Einschätzung von Panda Security geraten zunehmend auch private Nutzer ins Visier. Moderne KI-Systeme können innerhalb kurzer Zeit überzeugende Texte erstellen, Stimmen imitieren und Inhalte erzeugen, die echten Nachrichten oder offiziellen Mitteilungen zum Verwechseln ähnlich sehen. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen echt und gefälscht immer stärker.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Besonders beunruhigend sei laut der Analyse, dass viele dieser Werkzeuge inzwischen vergleichsweise leicht zugänglich sind. Auf einschlägigen Plattformen im Darknet würden Programme und Dienste angeboten, mit denen selbst Personen ohne umfangreiche technische Kenntnisse professionelle Betrugsversuche starten können. Was früher spezielles Fachwissen erforderte, könne heute mit wenigen Eingaben automatisiert werden.

Social-Engineering-Angriffe als große Gefahr

Zu den größten Gefahren zählt Panda Security Social-Engineering-Angriffe. Dabei versuchen Kriminelle, Menschen gezielt zu manipulieren und zur Preisgabe sensibler Daten zu bewegen. Mithilfe von KI können öffentlich verfügbare Informationen ausgewertet und daraus täuschend echte Nachrichten erstellt werden. Diese könnten scheinbar von der eigenen Bank, vom Arbeitgeber oder sogar von Freunden und Familienmitgliedern stammen. Weil die Inhalte oft auf die jeweilige Person zugeschnitten sind, wirken sie deutlich glaubwürdiger als klassische Massenmails.

Eine weitere Entwicklung betrifft das sogenannte Voice Cloning. Dabei reicht unter Umständen bereits ein kurzer Audiomitschnitt aus, um eine Stimme künstlich nachzubilden. Kriminelle könnten damit Anrufe vortäuschen, die angeblich von Angehörigen, Kollegen oder Vorgesetzten stammen. Unter Zeitdruck oder in emotionalen Situationen falle es Betroffenen oft schwer, die Fälschung zu erkennen. Ziel solcher Anrufe sei häufig die Herausgabe von Geld, Passwörtern oder anderen vertraulichen Informationen.

"Einstiegshürden für Cyberkriminalität drastisch gesenkt"

Auch die Geschwindigkeit von Cyberangriffen nimmt laut der Analyse zu. KI-Systeme können große Mengen an Daten auswerten und in kurzer Zeit nach Schwachstellen suchen. Dadurch lassen sich Angriffe auf zahlreiche Geräte gleichzeitig vorbereiten und durchführen. Zudem werde Schadsoftware immer intelligenter. Sie könne Zugangsdaten ausspähen, Geräte überwachen oder Sicherheitsmechanismen gezielt umgehen.

Hervé Lambert, Global Consumer Operations Manager bei Panda Security, sieht darin eine grundlegende Veränderung der Bedrohungslage. "Künstliche Intelligenz hat die Einstiegshürden für Cyberkriminalität drastisch gesenkt. Was früher technisches Spezialwissen erforderte, lässt sich heute schneller erstellen, leichter skalieren und viel gezielter personalisieren. Genau deshalb ist es für Verbraucher wichtiger denn je, unerwartete Anfragen zu prüfen und die Sicherheit ihrer Konten und Geräte konsequent zu stärken."

Gefälschte Webseiten sehen professionell aus

Nach Ansicht des Experten geht damit eine Ära zu Ende, in der betrügerische Nachrichten oft leicht zu erkennen waren. An ihre Stelle trete eine neue Generation digitaler Täuschungen. Gefälschte Webseiten sehen professionell aus, künstlich erzeugte Stimmen klingen erstaunlich echt und Betrugsversuche werden immer individueller gestaltet.

Für Internetnutzer bedeutet das vor allem eines: mehr Aufmerksamkeit im Alltag. Experten raten dazu, bei unerwarteten Nachrichten oder dringenden Aufforderungen besonders vorsichtig zu sein. Wer etwa eine ungewöhnliche Bitte um Geld oder Zugangsdaten erhält, sollte diese möglichst über einen zweiten Kommunikationsweg überprüfen. Auch die Nutzung der Multi-Faktor-Authentifizierung und starker, individueller Passwörter kann das Risiko reduzieren.

Je leistungsfähiger künstliche Intelligenz wird, desto schwieriger wird es, echte von gefälschten Inhalten zu unterscheiden. Genau deshalb könnte eine gesunde Portion Misstrauen im digitalen Alltag zu einem der wichtigsten Schutzmechanismen werden. Denn wenn eine Nachricht, ein Anruf oder eine Webseite perfekt wirkt, bedeutet das längst nicht mehr automatisch, dass sie auch echt ist.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 22.06.2026, 13:38
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