Neuer Minister vertröstet ORF-Star: "Ein anderes Mal"

Magnus Brunner übernimmt das Finanzministerium. In der ZIB2 musste er aber erklären, warum er noch nicht längst zurückgetreten ist.

Karl Nehammer stellt nach dem Rückzug von Sebastian Kurz als neuer Bundeskanzler und ÖVP-Chef die halbe Regierungsmannschaft neu auf. Kurzzeit-Kanzler Alexander Schallenberg wird wieder Außenminister, Bildungsminister Heinz Faßmann ist weg, Finanzminister Gernot Blümel ist abgetreten. 

Während einige neue Gesichter nachrücken, ist Blümels Nachfolger und designierter Finanzminister ein alter (Un-)Bekannter: Magnus Oswald Brunner. Seit Jänner 2020 ist der 49-Jährige bereits Mitglied der türkis-grünen Bundesregierung, flog allerdings für die meisten Bürger unter dem Radar. Als VP-Staatssekretär im Grünen Klimaschutzministerium hatte er aber auch kaum Chancen, selbst im Rampenlicht zu stehen. Das änderte sich heute: in der ZIB2 Freitagnacht waren alle Studioscheinwerfer auf ihn gerichtet.

Im Gespräch mit Lou Lorenz-Dittlbacher schilderte er dann, dass alles sehr schnell gegangen war. "Der zukünftige Bundeskanzler Karl Nehammer hat mich gestern gefragt", schildert der gebürtige Vorarlberger. Die Überlegungsphase sei nicht lange gewesen. "Wir haben rasch gehandelt." 

Ist Brunners plötzlicher Aufstieg zum Minister ein Zugeständnis an die Vorarlberger Landespartei? Immerhin sind alle sechs VP-regierten Bundesländer personell im VP-Team vertreten. Die naheliegende Vermutung, dass die schwarzen Landeshauptleute das neue türkise Team diktiert hätten, will Brunner aber so nicht stehen lassen: "Da geht es um die besten Köpfe. Da wird oft sehr vieles hineininterpretiert".

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Auch die plötzliche Bestellung eines neuen Bildungsministers sei kein Zugeständnis an die Steiermark gewesen. Es gehe immer um die Kompetenz, erklärte der Noch-Staatssekretär. "War Faßmann nicht kompetent genug?", legte Lorenz-Dittlbacher nach und brachte den Neo-Minister damit sogar kurz aus dem Konzept.

"Ja selbstverständlich! Heinz Faßmann war ein unglaublicher Faßmann... äh... Fachmann", verhaspelte sich Brunner. "Faßmann und Fachmann", hilft ihm sein Gegenüber aus. Selbst über das Hoppala amüsiert, hielt er aber an der Version fest, dass Faßmann sein Amt freiwillig zur Verfügung gestellt hatte.

Warum noch kein Rücktritt?

"Sie dürften eigentlich nicht mehr im Amt sein", erinnert die ORF-Moderatorin an die Solidaritätsbekundung der türkisen Minister kurz vor Sebastian Kurz' erstem Rücktritt als Kanzler. Darin hatte die gesamte Regierungsriege – darunter auch Brunner – mit ihrer Unterschrift erklärt, ohne Kurz nicht weiterarbeiten zu wollen. "Heute" berichtete >

"Wir haben natürlich gehofft, dass er bleibt. Er war ein fantastischer Bundeskanzler und Parteichef. Jetzt ist er zurückgetreten und hat den Weg frei gemacht, dass die Regierung auch weiterarbeiten kann. Das war ein wichtiger Schritt", so Brunner ausweichend. Lorenz-Dittlbacher ließ aber nicht locker: "War das Schreiben ein Fehler?" 

Die Antwort des ausgebildeten Juristen überraschte: so etwas – also auch seine Unterschrift – solle man "nicht überinterpretieren".

Die Rücktritts-Dynamik damals sei aber nicht absehbar gewesen, erinnerte Brunner. Dann ringt er sich folgende Worte sichtlich ab: "Es war sicher kein Fehler ihn zu unterstützen. Das Schreiben... man kann immer über das Schreiben diskutieren. Zu dem Zeitpunkt war es notwendig und richtig, Sebastian Kurz zu unterstützen."

Vertröstet

Auf ihn komme als Finanzminister mit der Ökosozialen Steuerreform nun ein "gewaltiges Vehikel" und damit viel Arbeit zu. Woher soll das Geld für die geplanten Mehrausgaben kommen? "Jetzt geht es einmal darum, aus der Pandemie herauszukommen und die richtigen Weichen zu stellen", sagte Brunner. Über die Details wollte er aber noch nicht sprechen.

"Ich bitte um Verständnis, dass ich zuerst angelobt werden muss und ich dem Bundespräsidenten nicht vorgreifen möchte. Die Details, das können wir gerne ein anderes Mal besprechen."

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