Neuer Lockdown vor Ostern – darauf kommt es wirklich an

Experten warnen vor einem schnellen Anstieg der Corona-Fallzahlen.
Experten warnen vor einem schnellen Anstieg der Corona-Fallzahlen.Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Viele Experten sind der Meinung, dass bereits vor Ostern weitere Verschärfungen drohen. Zwei Ärzte erklären, auf welche Faktoren es ankommt.

Wie Komplexitätsforscher Peter Klimek am Montag im "Ö1-Morgenjournal" erklärte, verlaufe der Anstieg der Corona-Fallzahlen im Moment "sehr schnell". Im schlechtesten Fall sei daher noch vor Ostern mit verschärften Maßnahmen zu rechnen. Grund dafür sei die Ausbreitung der neuen Virus-Mutationen.

Auch einige Virologen sehen diesbezüglich eine dritte Welle auf uns zu rollen. Norbert Nowotny meinte unlängst, dass die Öffnungen im Handel, bei körpernahen Dienstleistern und in der Schule nicht allzu lange anhalten könnten. Für weitere Öffnungsschritte sehe es ebenfalls düster aus. Eine Idee wäre etwa ein Abtausch zwischen Handel und Gastronomie. Laut seinen Ansichten müsse man ab 2.500 Neuinfektionen pro Tag aber die Reißleine ziehen.

Ressourcen in Spitälern als wichtiger Faktor

Dabei käme es jedoch auf mehrere Faktoren an, wie Heinz Burgmann, Infektiologe von der MedUni Wien gegenüber "Heute" erklärt. "Es ist schwierig, eine genaue Zahl dafür zu nennen. Es gehe natürlich einerseits um die Neuinfektionen pro Tag, andererseits müssen diese Zahlen in Kombination mit den Ressourcen in den Spitälern gesehen werden. Wenn die Intensivbetten schon gut gefüllt sind, wirken sich 1.500 Neuinfektionen anders aus, als wenn noch Kapazitäten zur Verfügung stehen."

Wenn also beispielsweise die meisten dieser 1.500 Neuinfektionen mild verlaufen, gebe es keine Folgen für das Gesundheitssystem. Wenn die Zahlen jedoch kontinuierlich hoch sind, kann das laut Burgmann auch gefährlich werden, denn diese wirken sich oft erst sieben bis zehn Tage verzögernd auf die Spitäler aus.

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Ein weiteres Problem ist laut dem Mediziner zudem, dass Corona-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf sehr lange auf der Intensivstation bleiben. "Und die Ressourcen auf diesen Stationen können wir nicht beliebig ausbauen", so der Infektiologe.

Weites spielt auch das Contact Tracing eine Rolle und dieses funktioniert natürlich besser, wenn die Zahlen niedriger sind. "Beim massiven Anstieg im Herbst war die Isolationskette meist nicht mehr nachvollziehbar. So konnten die Fälle auch nicht isoliert werden", meint Burgmann.

Wie die Epidemiologin Eva Schernhammer gegenüber "Heute"erklärt, kommt es bei der Lockdown-Entscheidung darauf an, welches Ziel man verfolge: "Geht es darum, die Intensivbetten nicht zu überlasten oder um eine konkrete Zahl", so die Ärztin. Die Zahl an Neuinfektionen allein sei wenig aussagekräftig, man müsse sich hier etwa auch die Altersstruktur und den jeweiligen Krankheitsverlauf ansehen.

Eintrittstests am selben Tag

Für Schernhammer sind die Eintrittstests eine sinnvolle Maßnahme, auch wenn sie keine hundertprozentige Sicherheit bieten. Das Risiko wäre aber für ein paar Stunden auf jeden Fall verringert. Auch Burgmann meint, dass die Eintrittstests noch am selben Tag durchgeführt werden sollten.

Die derzeitige 48-Stunden-Regelung sei als Zeitspanne zu lang, da der Antigentest erst bei einer relativ hohen Viruslast positiv ausfällt. Und diese kann innerhalb weniger Stunden ansteigen. Zudem kann der Eintrittstest nur als zusätzliche Maßnahme gesehen werden. Abstand halten und Maske tragen wird also weiterhin notwendig sein.

"Langwieriger Prozess"

Eine bedeutende Wende in der Pandemiebekämpfung kann laut Burgmann und Schernhammer nur durch die Impfung herbeigeführt werden, wie das Beispiel Israel zeigt. "Es gebe hier zwar immer noch viele Neuinfektionen, aber die Zahl der Todesfälle und schweren Erkrankungen ist drastisch zurückgegangen", so Burgmann.

Viele würden sich auch mit der Impfung bereits in falscher Sicherheit wiegen. "Es ist noch ein langwieriger Prozess, bis eine hohe Durchimpfungsrate erreicht ist", betont Burgmann. Im Sommer sei aber laut Schernhammer eine Erleichterung zu erwarten. Diese Zeitspanne sollte in Österreich für die Impfungen aller Bevölkerungsgruppen genutzt werden.

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