Die ÖVP kämpft seit Monaten mit schwachen Umfragewerten. Nun soll ein neuer Mann die Volkspartei wieder auf Kurs bringen. Markus Gstöttner hat das Amt des Generalsekretärs übernommen und soll neuen Schwung bringen. Die Erwartungen an ihn sind entsprechend hoch. Doch warum soll ausgerechnet er die Wende schaffen? Im Interview mit "Heute" spricht Gstöttner Klartext:
Die FPÖ zieht der ÖVP in den Umfragen immer weiter davon. In der aktuellen Sonntagsfrage kommen die Freiheitlichen bereits auf 37 Prozent, die Volkspartei liegt mit nur 20 Prozent deutlich dahinter. "Wir werden Schritt für Schritt aufholen, damit am Wahltag alles drinnen ist", sagt Gstöttner. Dafür müsse die Volkspartei aber einiges tun, um das Vertrauen der Österreicher zurückzugewinnen.
"Wir haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Krisen erlebt", sagt Gstöttner. Deshalb hätten Regierungsparteien in ganz Europa an Zustimmung verloren – auch in Österreich. Als Generalsekretär sieht er seine Aufgabe nun darin, die Erfolge der Bundesregierung und der Volkspartei stärker in den Vordergrund zu rücken.
Der neue Generalsekretär möchte künftig die klassischen Werte der ÖVP wieder stärker in den Mittelpunkt rücken. "Wir sind eine Mitte-rechts-Partei", sagt Gstöttner. Dazu gehörten Leistung, Eigenverantwortung, Sicherheit und Ordnung. Von der FPÖ unterscheide sich die ÖVP in einem entscheidenden Punkt: "Wir grenzen uns von Extremismus ab."
In manchen inhaltlichen Fragen gebe es zwar Überschneidungen mit der FPÖ, doch die ÖVP verfolge einen anderen politischen Zugang. "Während Kickl nur spaltet und Angst schürt, arbeitet die ÖVP an konkreten Lösungen." Vor allem in der Migrationspolitik verweist der neue Generalsekretär auf Erfolge seiner Partei.
Der Rückgang der Asylanträge in Österreich sei vor allem auf die Arbeit der ÖVP zurückzuführen, auf europäischer Ebene habe sich die Volkspartei zudem maßgeblich für den Asyl- und Migrationspakt eingesetzt. Für Gstöttner ist klar: Diese Erfolge müsse die ÖVP künftig stärker kommunizieren. "Innenminister Gerhard Karner hat deutlich mehr Abschiebungen vorzuweisen als Herbert Kickl", sagt er.
Vor seiner politischen Karriere zog es Markus Gstöttner zunächst ins Ausland. Nach dem Grundwehrdienst studierte der gebürtige Wiener in England und lebte anschließend einige Zeit in Indien. "Ich war immer schon ein politischer Mensch mit großem Interesse daran, was sich in meiner Heimat tut", sagt er. Ende 2017 fasste er schließlich den Entschluss, nach Österreich zurückzukehren und in die Politik einzusteigen.
Der ehemalige McKinsey-Partner gilt als enger Vertrauter von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz. Dass er oft mit dessen Namen verbunden wird, kann Gstöttner nachvollziehen. "Ich bin unter Sebastian Kurz in die Volkspartei gekommen und habe sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet", sagt er. Gleichzeitig betont der neue Generalsekretär, auch mit allen Nachfolgern eng und gut zusammengearbeitet zu haben. "Uns eint der Glaube an die christlich-soziale Sache."