Die Volkspartei sucht das Volk: Während schlechte Umfragewerte auf das Gemüt der schwarzen Funktionäre drücken, geht der Kanzler – wie berichtet – auf Sommertour durch das Land. Interessierte werden vorab vom Staatsschutz durchleuchtet.
Leibgarde brauchen Parteimanager der ÖVP aktuell zwar noch keine, Nico Marchetti hatte zuletzt dennoch keinen leichten Stand. Ausgehend vom Bauernbund und einigen – mitunter großen – Bundesländern flogen die Hackeln tief. Marchettis – nun ja – vitales Engagement für Clemens Pig als neuen Intendanten des ORF wirkte dann noch wie ein Brandbeschleuniger.
Am Dienstag jedenfalls verkündete der 36-jährige Favoritner, per Ende Juli sein Amt zur Verfügung zu stellen. Marchetti möchte Abgeordneter bleiben und sich nebenbei ein zweites Standbein neben der Politik aufbauen. "Ich bin aus Überzeugung Sachpolitiker, ein Politiker der Mitte und mir liegt die feine Klinge mehr als der Bihänder", schrieb er in einem Statement.
In der Lichtenfelsgasse hält ab August ein alter Bekannter Einzug: Markus Gstöttner (39) wurde ebendort Mittwochnachmittag von ÖVP-Obmann Christian Stocker als neuer Generalsekretär vorgestellt. Der ehemalige McKinsey-Partner gilt als enger Vertrauter von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz, den er in seiner Wirtschaftspolitik beraten hatte.
Die Verengung auf Kurz bei der Betrachtung von Gstöttners Vita würde dennoch zu kurz greifen. Der Wiener diente mittlerweile drei ÖVP-Obleuten: Unter Kurz' Nachfolger Karl Nehammer war er anfangs Kabinettschef im Kanzleramt; Christian Stocker betraute ihn im Jänner 2026 als Sonderberater mit der Bundesländer-Reformpartnerschaft. Von November 2020 bis Juni 2025 war er Wiener Gemeinderat und Landtagsabgeordneter gewesen.
Dass Gstöttner, der in einem Monat seinen 40er feiert, kurzfristig den Umfragen-Turnaround schafft, darf freilich bezweifelt werden. In der aktuellen "Heute"-Sonntagsfrage liegt die ÖVP (22 Prozent) bereits 14 Punkte hinter den Freiheitlichen. In der ÖVP erwartet man sich jedenfalls wieder eine kantigere Positionierung. Gstöttner gilt als Vertreter eines wirtschaftsliberalen Mitte-rechts-Kurses. Wer seine Reden im Wiener Landtag verfolgt hat, darf bezweifeln, dass der praktizierende Katholik ein großer Anhänger der Koalition mit SPÖ und Neos ist.
"Es folgt jetzt eine Phase der Mobilisierung. Markus Gstöttner bringt genau das mit, was es für diese Phase der Mobilisierung braucht", so Bundeskanzler Christian Stocker bei seiner Präsentation. Er könne große Projekte strukturiert umsetzen, Verhandlungen erfolgreich führen und Ergebnisse bringen, streute er seinem Nach-Nachfolger Rosen.
Gstöttner sprach von "einer großen Ehre und einer gewissen Überraschung". Die Aufgabe erfülle ihn "mit Ehrfurcht". "Hart in der Sache, klar in der Kommunikation, aber immer respektvoll" wolle er sein. "Gut argumentieren und handeln, wann immer wir können" will er mit der Volkspartei.