AMS-Chef Johannes Kopf rechnet in einem aktuellen Interview mit dem "profil" nicht mit einer raschen Erholung am Arbeitsmarkt. Zwar sei Österreich aus der Rezession heraus, von einem kräftigen Aufschwung könne aber keine Rede sein.
"Wir sind aus der Rezession draußen. Die Arbeitslosigkeit wäre ab Ostern gesunken, hätte der Iran-Krieg nicht begonnen. Jetzt sinkt sie zumindest in manchen Bundesländern. Und Unternehmen melden uns wieder geringfügig mehr offene Stellen. Grund zur Freude ist das aber noch nicht. Ich sehe auch fürs nächste Jahr nicht die große Erholung. Wir haben eine leicht positive Seitwärtsbewegung", erklärt Kopf im "profil"-Interview.
Die Kürzung von Sozialleistungen habe laut Kopf durchaus Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. "Gut ist ganz sicher, dass die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Das sagt aber nichts über die Qualität der Arbeit", stellt Kopf im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin klar. Gleichzeitig warnt er vor möglichen Nachteilen: "Möglicherweise liefert jetzt jemand Pizza aus, der mit der richtigen Förderung eine qualifizierte Fachkraft geworden wäre."
Besonders junge Geflüchtete und gut ausgebildete Zuwanderer sollten aus seiner Sicht nicht möglichst rasch in irgendeinen Job vermittelt werden. "Ganz viele von den jugendlichen Geflüchteten, die hier sind, könnten mit der richtigen Förderung wunderbare Fachkräfte von morgen werden. Da will ich gar nicht, dass sie Gurken pflücken", erklärt Kopf im "profil".
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Mit Sorge blickt der AMS-Chef auf die demografische Entwicklung. Vor allem außerhalb Wiens werde der Arbeitskräftemangel deutlich zunehmen. "In manchen Bundesländern wie Steiermark und Kärnten wird es da einen unglaublichen Mangel geben", so der AMS-Chef.
Für Wien erwartet Kopf hingegen eine andere Entwicklung. "Wien wird überhaupt kein Arbeitskräfteproblem kriegen." Wegen des Bevölkerungswachstums und der Zuwanderung werde die Erwerbsbevölkerung in der Bundeshauptstadt bis 2050 sogar wachsen. Das sei allerdings "für mich als AMS-Chef eigentlich eine schlechte Nachricht, weil wir in Wien jetzt schon zu wenig Jobs haben", sagt Kopf im "profil".
Auch bei den Pensionen sieht Kopf Handlungsbedarf. Auf die Frage, wie lange er selbst arbeiten würde, antwortet der 52-Jährige im Nachrichtenmagazin: "Na ja, bis 67 ist wohl jedenfalls notwendig." Er hätte sich eine entsprechende Reform bereits im aktuellen Budget erwartet, räumt aber ein, dass diese politisch nicht mehrheitsfähig gewesen sei.
Für AMS-Chef Kopf steht jedenfalls unweigerlich fest: Die größten Herausforderungen für den Arbeitsmarkt liegen nicht nur in der aktuellen Konjunktur, sondern vor allem im demografischen Wandel der kommenden Jahre.