Johannes B. aus der Steiermark kann nicht glauben, was ihm vorgeschlagen wurde: "Ich sollte in meinem Alter eine landwirtschaftliche Fachschule beginnen", zwei Jahre lang sollte die Ausbildung dauern. Das Versprechen, wenn er sich dazu entschließen würde, bekomme er zusätzlich eiune Förderung in der Höhe von etwa 150 Euro. „Ich wäre dann mit 59 Jahren Facharbeiter!"
Nach einer langen und erfolgreichen Karriere ist der 57-Jährige seit Juli des Vorjahres auf Arbeitssuche. Das AMS hat ihn an einen Personaldienstleister verwiesen, und dieser will eben, dass er wenige Jahre vor der Pension eine neue Lehre beginnt.
Der Steirer fühlt sich vom System im Stich gelassen. "Ich fragte die, 'könnt ihr mir garantieren - wenn ich gemeinsam mit 16-Jährigen lernen –, dass ich danach einen Job in einer größeren Landwirtschaft, oder der Kammer bekomme?'" Zu hören bekam er ein deutliches "Nein". Angeblich sei doch der Facharbeitermangel so groß.
Für Johannes war klar: "Das hilft mir ja nicht. Die holen mich nur raus aus dem System der Arbeitssuche. Da beißt sich die Katze in diesem System in den Schwanz."
Besonders belastet ihn die finanzielle Unsicherheit. Nach einem Jahr würde die Förderung wegfallen, gleichzeitig steigen alle Preise weiter. "Wie soll sich das ausgehen? Das liegt mir im Magen. Ich will ja arbeiten!"
42 Arbeitsjahre hat der Steirer bereits hinter sich. Viele Jahre arbeitete er im Finanzwesen und im Verkauf, immer war er erfolgreich und beliebt.
Doch im Laufe der Zeit wurden Firmen geschlossen oder verkauft. Er musste einige Male umsatteln, aber immer wieder arbeitete er sich hinauf und war glücklich im Job.
"Aber mir kommt jetzt vor diese 40 Jahre waren umsonst", sagt Johannes. "Du investierst in das System, machst alles richtig Richtung Ruhestand - und jetzt bekomme ich kaum etwas."
Trotz allem gibt Johannes nicht auf, er will wieder arbeiten. Am liebsten wieder im Verkauf.