Polit-Paukenschlag am Dienstag. Wie von "Heute" berichtet, hat der steirische SPÖ-Landesparteivorsitzende Max Lercher nach dem roten Wahldebakel in Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs, den Vorstand aufgelöst. Ein entsprechender Beschluss fiel im Landesparteivorstand einstimmig und mit sofortiger Wirkung.
"Heute" sprach mit dem steirischen SPÖ-Chef über seine Beweggründe. "Das harte Durchgreifen in Graz war eine einschneidende, aber absolut notwendige Entscheidung. Es ist kein Platz mehr für Alibi-Prozesse, an die draußen keiner mehr glaubt. Schluss mit der Selbstbeschäftigung und Parteipolitik", sagte Lercher.
Der SP-Mann forderte eine "echte Neuaufstellung", die konsequent umgesetzt werden solle. "Wir müssen der Realität ins Auge schauen: Die klassischen Stammwählerinnen und Stammwähler gibt es nicht mehr. Die Menschen wollen am Ende des Tages kein theoretisches Programm, sondern Köpfe, die ihre Sprache sprechen und ihre Nöte kennen", so Lercher.
Die Partei müsse künftig nicht den Funktionären gefallen, sondern den Fleißigen in diesem Land. Lercher: "Wir müssen für all jene da sein, die jeden Tag aufstehen und leisten, sich aber von der aktuellen Politik überhaupt nicht mehr wahrgenommen fühlen."
Der Bevölkerung gehe es nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um handfeste Existenzfragen. "Wenn sie im Alltag nicht mehr wissen, wie sie die Tankkosten stemmen sollen, oder wenn die Schulassistenz - wie in der Steiermark - für ihr eigenes Kind plötzlich nicht mehr bewilligt wird. Die Leute zahlen immer mehr Beiträge ein, spüren aber, dass das System für sie immer schlechter funktioniert.
Lerchers Erfolgsformel – und sportliches Vorbild – ist klar: "Frei nach Jürgen Klopp müssen wir als Sozialdemokratie wieder 'the normal one' sein – die Kraft für die breite Bevölkerung, die sich täglich bemüht, aber von der aktuellen Politik desillusioniert ist."
Als Klopp 2015 den FC Liverpool übernahm, verzichtete er bewusst auf große Versprechen und bezeichnete sich selbst als "the normal one". Mit harter Arbeit und klarer Haltung leitete der deutsche Erfolgstrainer den sportlichen Aufschwung ein. Genau diesen Ansatz verfolgt Lercher auch für die SPÖ: Zurück zu den Wurzeln, ehrliche Arbeit und Nähe zu den Menschen.
"Das bedeutet am Ende: weniger Parteitaktik, kein abgehobener Parteisprech, sondern echtes, lösungsorientiertes Handeln. Ich bin kein Parteisoldat - ich will die Lebensrealität der Steirerinnen und Steirer verbessern.”