Die Turbulenzen in der SPÖ reißen einfach nicht ab. Noch vor seiner am Dienstagabend geplanten Grundsatzrede ließ Landesparteichef Max Lercher den bisherigen Vorstand der SPÖ Graz auflösen. Der Beschluss fiel im Landesparteivorstand einstimmig und mit sofortiger Wirkung.
Dies passiert eine Woche nach der Wahl-Schlappe der Roten in Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs, bei der man lediglich 6,1 Prozent erreichte.
Bis zur organisatorischen Neuaufstellung übernimmt der geschäftsführende Landesparteivorsitzende Hannes Schwarz die Führung der Grazer Stadtpartei. Die endgültige Neubesetzung der Gremien soll im Herbst 2027 bei einer Bezirkskonferenz erfolgen.
Lercher sprach von einem konsequenten Neuanfang: "Keiner glaubt mehr an den zehnten weichen Reformprozess." Die Auflösung des Vorstands sei der "Startschuss für ein neues Kapitel". Wer einen echten Neustart wolle, müsse diesen auch konsequent einleiten.
Der neue Landesparteichef will die SPÖ Graz sowohl organisatorisch als auch inhaltlich neu aufstellen. Gleichzeitig kündigte er an, die gesamte steirische Sozialdemokratie auf einen neuen Kurs zu bringen.
In seiner Grundsatzrede rechnet Lercher mit parteiinternen Diskussionen ab. "Es reicht endgültig mit der permanenten Selbstbeschäftigung", sagt er. Statt interner Machtkämpfe müsse sich die SPÖ wieder den Sorgen der Bevölkerung widmen. Auch den Anspruch der Partei definiert er neu: "Ich bin kein Parteisoldat – ich will der Anwalt der Steirerinnen und Steirer sein."
Inhaltlich setzt Lercher klare Schwerpunkte. Die SPÖ wolle sich künftig vor allem auf Gesundheit und Pflege, die Stärkung der steirischen Industrie sowie die Sicherung von Arbeitsplätzen konzentrieren. Lercher: "Die Leute sind der moralischen Überlegenheit, die die etablierten Parteien zuletzt an den Tag gelegt haben, zutiefst überdrüssig."
"Wer arbeitet, muss von seinem Einkommen anständig leben können", nennt der SPÖ-Chef als Maßstab. Seine Devise: Alles unterstützen, was den Steirerinnen und Steirern nütze – alles bekämpfen, was ihnen schade.
Den Neustart will Lercher mit einer Öffnung der Partei verbinden. Geplant sind weitere Veranstaltungen zum Thema Spitäler sowie der Ausbau einer "Helpline", die direkt in die Städte gebracht werden soll.
Dabei knüpft der Landesparteichef bewusst an frühere Erfolgszeiten unter Ex-Landeshauptmann Franz Voves an. Sein Ziel: "Weniger abgehobene Funktionärsdebatten, mehr Bodenständigkeit – oder kurz gesagt: wieder spürbar mehr Steiermark."